Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

234 I. Abhandlungen. 
eine ſfol<e „atomiſtiſche“ Darſtellung unerträglich breit und un- 
überſichtlich , vor lauter Einzeldeutlic<keit würde das Ganze un- 
deutlich, ſo daß man wirkli< vor lauter Bäumen den Wald 
nicht mehr ſehen würde; höchſtens könnte eine ſol<e „Syntheſis 
aus Atomſäten“ bei einer kleineren Partie der Wiſſenſchaft, etwa 
im Anfang angewendet werden, um den Anfänger in das Ge- 
dankengewebe einzuleiten. Wollen wir alſo die atomiſtiſche 
Verirrung der ſynthetiſchen Darſtellung vermeiden, ſo müſſen 
unſere meiſten Sätze, und um ſo mehr , je weiter man fortſchrei- 
tet, bereits mehr oder weniger Wiſſenſchaftsatome zuſammenfaſſen, 
- Erklärungsſäte, welche mit einander einen Gegenſtand 
ermeſſen, werden Einen Satz des Syſtems bilden, deßgleichen 
Lehrſäze, welhe nur verſchiedene Fälle oder Glieder Einer 
Wahrheit ſind. Alsdann gibt es Lehrſäße, welche nur ſo zu 
ſagen Durchgangspunkte ſind, als bloße Beweismittel für 
einen anderen, um den es ſich eigentli< handelt; ſol<e werden 
auch. feine ſelbſtändige Stelle erhalten, ſondern nur als Mo- 
mente in jenem Beweis auftreten ; auf der anderen Seite darf 
aber kein Satz, welcher bei mehr als einem einzigen anderen 
gebraucht wird, als bloßes Beweismoment auftreten, ſondern 
für ſich , ſei es als ſelbſtändiger Satz oder als Zuſasg. Damit 
fommen wir ſofort zu dem Gebrauc< der Zuſäße als eines 
weiteren Mittels gegen Sagatomiſtik. Wahrheiten nämlich, 
welche entweder ganz unmittelbar aus einem andern Sagz, ſei es 
Erklärung oder Lehrſatz, oder dur<m bloße Wiederholungen eines 
Beweiſes u. ſ. w. ſic< ergeben, werden als Zuſätze bei den ſelb- 
ſtändigen Säten oder Hauptſäten untergebracht ; nur wenn einem 
ſolhen Folgeſatß neben einiger Vermittlung ſeines Beweiſes eine 
beſondere Tragweite zukäme , würde man ihn, troß ſeiner Halb- 
ſelbſtändigkeit wiederum in die Reihenfolge der Sätze ſelbſt 
aufnehmen. 
Endlich gehört hieher no< die Wahl zwiſchen den zwei For- 
men, in welchen ein zu beweiſender Satz aufgeſtellt werden kann, 
die Form des eigentlihen „Lehrſatzes“ und die Form der 
„Aufgabe“. Bei vielen Sätzen ſchreibt die Natur der Sache 
die Form vor , aber bei ſehr vielen ſind auch beide Formen mög- 
Ii< oder vielmehr thunli<; denn bekanntlich kann jede Aufgabe
	        

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