Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

236 [l. Abhandlungen. 
Die eine Maßregel beſteht in der Aufnahme und Vertheilung 
der Erklärungen unter die Säßke ſelbſt, wie wir dies 
ſchon oben vorausgeſett haben , dergeſtalt, daß jeder Erklärungs- 
ſaß da auftritt, wo die Möglichkeit des Gegenſtandes erhellt, 
und hiemit eine denſelben betreffende Sasgruppe eröffnet, Man 
ſieht, wie dadurc< unſeren beiden Rüſichten Rehnung getragen 
wird, und kann beifügen, daß dadur< auc< etwas mehr Fluß 
in die plaſtiſche Starrheit der Syntheſe gebracht, gleichſam ein 
„Deuriſtiſches , genetiſches“ Element aufgenommen werden kaun, 
wenn ich mich ſo ausdrüc>ken darf, nur freilich mit beſcheidenſtem 
Maße, denn von ſolchen geſc<hwätigen Aus- oder Anläufen dürfte 
keine Rede ſein, wie die „Heuriſtiker“ ſie oft machen, wenn 
z« B, Shlömil< den Begriff der Beſtimmungsſtü>ke oder der 
Kongruenzbedingungen mit einem naturgeſchichtlihen Vorwort 
einleitet. Aber faſt ebenſo verwerflich , wie ſol<e Ausſc<weifun- 
gen (die man ſi< übrigens in der mündli<en Beſprechung nach 
Luſt und Geſchma> erlauben mag), erſcheint mir die euklidiſche 
Weiſe, einen Haufen unverbundener und (zur Zeit) unverſtänd- 
li<er Erklärungen voranzuſtellen, die eben deßhalb gar keine 
mathematiſchen Sätze mehr ſind, ſondern lexikaliſche , keine Sah- 
erflärungen , ſondern Wortbeſtimmungen, 
Die andere Maßregel beſteht in Verwerfung der eu- 
klidiſ<en Maßregel, keine zum Behuf eines Beweiſes exv- 
forderlihe Verrichtung zuzulaſſen, bevor man ihre techniſche 
Ausführung , alſo in der Geometrie die Verzeihnung , gelehrt 
hat , obgleich die Möglichkeit klar oder bereits erwieſen iſt, z. B. 
die Theilung einer Geraden oder eines Winkels in gleiche Theile, 
In der Polemik gegen die genannte euklidiſche Maßregel hat 
Schlömil<h vollfommen Recht und er führt ſie mit ſchlagenden 
Gründen; nur hat er keineöSwegs zuerſt darauf aufmerkſam ge- 
macht. Cs gibt bereits manc<he geometriſche Bücher, die ſich von 
derſelben emancipirt haben, doch allerdings nicht hinreichend ; 
denn die ſtrenge Verfolgung der entgegengeſeßten Maßregel, daß 
die Einſicht in die Möglichkeit eines geometriſchen Gebildes ge- 
nügt, fährt zur gänzlichen Sonderung der geometriſchen Z ei-- 
Henkunſt von -der geometriſchen Theorie , ſo daß jene auf dieſe 
ſim gründet und (was die Elementarverzeichnungen betrifft) einen
	        

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