Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

238 I. Abhandlungen. 
flimmt man ja leichter hinan, als an einem glatten, unſere 
„Unterbrechungen“, d. h. wohl unſere Sätze als kleinere Einzel- 
ganze ſind eben ſo viele Ruhepunkte, Stationen, welche pädago- 
giſm nur erwünſcht ſein können, Sie befördern eben ſo gewiß 
die wiſſenſchaftliche Strenge (denn im ungebundenen fortlaufenden 
Bortrag miſchen ſich zu leiht Ungenauigkeiten ein, obwohl na- 
türlich nicht nothwendig), als ſie die Gewöhnung an mathema- 
tiſche Folgerichtigkeit und die Einſicht in den weithin verketteten 
Gedankengang erleichtern. Nur wenn obige Maßregeln über 
„organiſche“ Ausſonderung der Sätze verſäumt würden , würde 
die Darſtellung Gefahr laufen, in wirklihe Zerſplitterung und 
Zerhactheit zu gerathen, und jener „Sagatomiſtik“ ſich zuneigen, 
und nur dann könnten wir in dem Vorwurf, von welchem wir 
ſprehen, etwas Wahres finden , er trifft alſo nur eine Verirrung 
der ſynthetiſchen Darſtellung, 
Da heißt es ferner, die ſynthetiſche Darſtellung zeige an 
feiner Stelle die Nothwendigkeit, warum gerade dieſes und nichts 
anderes beſpro<en werde, Ungegründeter kann kein Vorwurf 
ſein z eben in der ſtrengen gegenſtändlichen Darſtellung des Syn- 
thetifers na< dem Muſter der Alten iſt Alles nothwendig ſo und 
nicht anders, nur daß man es nicht ausdrülich ſagt, und wozu 
auch Shwätereien, wozu „RNeflektiren, Räſonniren , Motiviren, 
Paraphraſiren, Apelliren u. ſ. w. ,/“ wenn die Sache ſelbſt ſpricht, 
und Überdies der Lehrer da iſt, um wieder über die Sache ſelbſt 
zu ſprehßen? In das mathematiſche Lehrbuch gehört nur 
die Sache ſelbſt, beſtimmt und plaſtiſch hingeſtellt ; alle „ſubjek- 
tiven Motivirungen und Reflexionen“ bleiben füglih dem münd- 
li<en Unterricht na< dem Geſhma> eines jeden Lehrers über- 
laſſen. Ja ſie helfen auch im Buch nichts, denn ſie verhüllen 
dem Schüler die Hauptſache, die er ſi< erſt zuſammenſuchen 
muß, während ſie ihm in einem ſynthetiſchen Lehrbuch handgreif- 
lim und augenfällig geboten wird. Ihr fügt dem Vorwurf bei, 
die ſynthetiſche Darſtellung gelange erſt zum Verſtändniß, wenn 
man am Ende mit einigem Geſchi> die leitenden Maximen her- 
ausgefunden hat, ohne die das Ganze ein „unbegriffenes Kunſt- 
ſtü>“ bleibt! So iſt es überall, d. h. das Verſtändniß eines 
Ganzen geht am Ende auf, erſt na<dem man ſtückweiſe fort-
	        

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