Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

Ueber die ſynthetiſche Methode in ver Mathematik. 939 
ſchreitend das Einzelne begriffen hat, Das leßtere aber mög- 
li<ſt zu befördern, verfahren wir eben ſynthetiſch, theilen wir 
das große Ganze in einzelne abgerundete , für ſich zu begreifende 
Gleichſam-Ganze von Sätzen. 
Do< ja! Die ſynthetiſche Darſtellung vom rechten Ton 
und guten Geſchmac> iſt ein Kunſtſtü> oder vielmehr ein Kunſt- 
werf, und ſolches bleib?" wie Alles in der Welt unbegriffen, bis 
man es begriffen hat, d. h. bis man durc<h das Studium deſſel- 
ben zu ſeinem Begriff gelangt iſt, und deßwegen ſtudirt und 
lernt man, um etwas zu verſtehen, was man bis: dahin nicht 
verſtanden hat, O ſehr wahr! Eine Kunſtform alſo im weite- 
ren Sinn des Worts iſt die ſynthetiſche Darſtellungsform in ihrer 
plaſtiſchen Gegenſtändigkeit, eine ä<ht antike Kunſtform, frei 
von moderner Reflerionsſucht, Und wie das Kunſtwerk im eigent- 
lichen Sinn, ein Gedicht, ein Gemälde dem Leſer oder Betrachter 
überläßt, dur< Nachdenken einzuſehen, warum es ſo iſt und nicht 
anders, und wie dies bei jedem guten Gedicht oder Gemälde 
dem Erfahrenen leicht gelingt und Freude macht, dem Anfänger 
oder Neuling aber durc< Lehrerwinke u. ſ. w.: ſo iſt es hier 
auch, und ſo wenig der eigentliche Künſtler, ſei es in Noten, 
ſei es gar im Werke ſelbſt, fortwährend Rechenſc<aft von ſeinem 
Werk gibt, ſo wenig thut es das wiſſenſchaftlihe Kunſtwerk. 
Sc<lömil< denkt bei der „dogmatiſchen Form“, wie er ſtets 
ſagt, an die theologiſche Dogmatik. Wie ſc<wac<! Wir denken 
an die alten Grie<hen mit ihrem klaren, gegenſtändlichen 
plaſtiſ<Gen Sinn; ſie ſind ja die Erfinder der mathematiſchen 
Kunſtform , welher wir das Wort reden und ihren hehren Geiſt 
anſvüren, Daß wir nicht blinde Bewunderer ſind , daß wir die 
ſynthetiſche Methode, wie Euklid ſie gehandhabt, nicht für „abſolut“ 
halten, haben wir bereits oben gezeigt. 
Do< es iſt Zeit, daß wir uns nun auc< nach der Dar- 
ſtellungsform umſehen, welche naM Sc<hlömil< den Anforde- 
rungen ber Wiſſenſchaft wie des Unterrichts allein Rechnung 
tragen ſoll, Er nennt ſie die heuriſtiſche, andere ſprechen 
auch von einer genetiſ<en Methode, die den Euklid zum 
Stümper mache, Es wird im Weſentlichen dieſelbe ſeinz wenn 
übrigens die genetiſche Methode insbeſondere diejenige Darſtellung
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.