Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

240 1. Abhandlungen. 
der Geometrie ſein ſoll , welche alles auf Bewegung zurüd- 
führen will, ſo bemerken wir Folgendes, Die Bewegung iſt 
allerdings in der Geometrie ein ſehr weſentlicher Begriff, den 
Euflid zu wenig gebraucht hat, obwohl ihm die Erzeugung geo- 
metriſcher Gebilde dur< Bewegung nicht fremd iſt. Allein wenn 
die Meinung neuerer Genetiker iſt, die ganze Geometrie hierauf 
zurüzuführen , dergeſtalt daß der Punkt fch gleichſam von ſelbſt 
zu allen übrigen geometriſchen Gebilden dur< Bewegung ent- 
wideln ſolle, und daß man dieſer Bewegung blos gleichſam zu- 
ſ<auen dürfe, um Geometrie zu lernen, ſo iſt dies eben ſo 
lächerlig als unwahr, und erſcheint uns nur als eine Steige- 
rung deſſen, was man heuriſtiſches Verfahren zu nennen beliebt, 
zum Unſinn, 
Die Idee deſſelben iſt, 'die Wiſſenſ<haft vor dem Schüler 
zu erfinden oder entſtehen zu laſſen, ſo daß der Schein in ihm 
erwachſen ſolle, er hätte Alles ſelbſt finden können, daß er von 
ſelbſt von einem zum anderen gleichſam fortgedrängt werden ſolle 
und daher ſtets im Voraus wiſſe, was nunmehr kommen werde. 
Da muß alſo Alles angebahnt und eingeleitet werden. Der 
Lehrſas muß als Ergebniß herausſpringen, ſein Beweis alſo 
vorangehen, eingeleitet dur< eine Anknüpfungsphraſe wie: „es 
handelt ſich nun darum , zu unterſuchen, was der Fall ſein wird“, 
oder dgl. An der Spike jedes kleineren oder größeren Abſchnitts 
wird über Anknüpfung, Eintheilung, Plan u. ſ. w, berathen, 
und wie weit dabei manc<hmal die Heuriſtiker von der Sache ab- 
ſchweifen, haben wir ſchon oben im Borbeigehen bemerklich ge- 
macht. Man könnte fragen, ob dergleihen nicht vielmehr 
„Unterbrechungen des Gedankengangs“' ſeien, do< wir ſehen in 
ſolchen eigentlichen Abſchweifungen vielmehr nur Ausſchweifungen 
der heuriſtiſchen Darſtellungsweiſe, welche derſelben keineswegs 
weſentli< ſind. Wir fragen wirklich, was insbeſondere durch 
jene heuriſtiſch ſein ſollende Behandlung der Lehrſäge gewonnen 
werde? Iſt es nicht vielmehr ein bloßer Schein, daß der Lehr- 
ſa durc< Voranſtellung ſeines „ſo und ſo motivirten“ Beweiſes 
gefunden, angetroffen werde, und was motivirt wieder die Be- 
tra<tungen , aus denen der vorangeſtellte Beweis beſteht? Uebri- 
gens verdammen wir hiemit dieſes Verfahren bei der Entwieklung
	        

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