Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

Ueber die ſynthetiſche Methode in der Mathematik. 241 
der Lehrſäze nicht ſchle<hthin als ungeeignet , obwohl es uns 
natürlicher erſcheint, den Beweis durc< Aufſtellung des Lehrſaßes 
zu „motiviren“z ſondern wir ſehen nur nicht ab, was damit für 
den heuriſtiſchen Zwe> gewonnen wird. Es bleibt. uns daher 
im Grund nichts weſentlich Heuriſtiſches übrig, als jene fort- 
währenden Ueberlegungen, Rechenſchaften u, ſ. w. über Plan, 
Zwe& , Anordnung, Beweismittel u. ſ. w. , wel<e der Synthe- 
tiker in den Text aufzunehmen verſchmäht, und welche wir wie- 
derholt dem mündlichen Unterri<t anheimgeſtellt haben. So ge- 
langen wir zu der Einſi<t, daß ein heuriſtiſches Lehrbuch 
eigentlich nur jene verſchiedenen Maßregeln des mündlichen Un- 
terrichts , jene modernen Reflexionen über die Sache mit der 
Darſtellung der Sache ſelbſt in einer fortlaufenden , fließenderen 
Darſtellung zu verweben trachtet, während das ſynthetiſche nur 
die Sache ſelbſt ohne alle „ſubjektive“ Einmiſchungen in abge- 
meſſener, ſo zu ſagen gebundener Darſtellung geben will, 
Wir ſtellen ſofort auch nicht in Abrede, daß ſic< ſehr ge- 
lungene und in ihrer Art vollendete heuriſtiſche Lehrbücher ab- 
faſſen laſſen , und möchten ſie gewiß in der mathematiſchen Lite- 
ratur nicht entbehren, glauben aber, daß ihr praktiſcher Werth 
blos darin beſteht, daß ſie dem minder begabten Lehrer Anwei- 
ſung zum mündlichen Unterricht geben mögen, d. h. daß es Lehr- 
bücher für den Lehrer ſind. Das Lehrbuch in der 
Hand des Schülers aber ſei ſynthetiſch, denn das beſte heu- 
riſtiſche wird doch nicht geeignet ſein, den Lehrer zu erſezen und 
einen Selbſtunterricht möglih zu machen, den das ſynthetiſche 
nicht auch darböte. Der Selbſtunterricht in der Mathematik von 
Anfang an wird nämlich blos für einen ſehr talentvollen Jünger 
möglich ſein, für ein wirkliches mathematiſc<es Talent, und dieſes 
hat an der Sache ſelbſt genug, ja es möchte vorzuziehen ſein, 
ihm nur dieſe ſelbſt und die einfache mathematiſche Kunſiform zu 
bieten. Abgeſehen von ſolch ſeltener Ausnahme iſt der mündliche 
Unterricht erforderlich , und dazu reicht das ſynthetiſche Lehrbuch 
abermals hin, weil der Lehrer eben dazu da iſt, einzuleiten, 
anzubahnen , über Zwe, Plan u. ſ. w. aufzuklären, alle Warum 
zu bevor- und zu beantworten. 
S<lömilc< ſagt in ſeiner Vorrede, „man ſehe ſich dies
	        

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