Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

242 1. Abhandlungen. 
Büchlein an, das während meines Unterrichts in Eiſenach ent- 
ſtanden iſt, und man wird mir es glauben, wenn ich verſichere, 
daß die Shüler ohne alles Lehrbuch bereits von der vierten 
oder fünften Stunde an jedesmal genau wußten, was die nächſte 
Stunde bringen würde, und ſehr häufig hatten ſich die Fleißi- 
geren oder Talentvolleren aus eigenen Mitteln ſo gut vorbereitet, 
daß es bei dieſen nur geringer Nachhilfe bedurft hätte, um |o- 
gleich weiter gehen zu können.“ Lieber Shlömil<, daraus 
folgt blos, daß du ein vortrefflicher Lehrer biſt, daß dein münd- 
liher Umgang mit den Schülern höchſt anregend und belebend 
wirkt, keineswegs aber, daß dein Lehrbuch ohne deine Perſön- 
lichkeit ähnlihes wirfen würde oder -könnte , wie es überhaupt 
nie den Lehrer erſetzt, Dem mündlichen Unterricht aber haben 
wir wiederholt unter anderen pädagogiſchen Kunſtgriffen auc alle 
möglichen heuriſtiſchen Maßregeln anheimgeſtellt nach eines jeden 
Lehrers perſönlichem Geſchma>, und fügen hier no< bei, daß 
wir einen guten Unterricht auch in keinem Fall in einen bloßen 
Vortrag deſſen ſetzen können, was ſchon in. dem (ſynthetiſchen) 
Lehrbuch ſteht, denn da würde die Frage wiederkehren: wozu 
einen Lehrer? Sc<hlömil< empfiehlt Kürze eines Lehrbuchs 
mit Necht, dieſe fährt aber gewiß am beſten bei der guten ſyn- 
thetiſchen Darſtellung, und der Schüler wird dann nicht genöthigt, 
die Beiwerke von Heuriſtik mit zu kaufen; wenn er übrigens 
bei dieſer Gelegenheit abermals mit Recht für Beſchränkung 
auf das Nothwendige, Ausſchließung aller „Delikateſſen“ 
der Wiſſenſchaft eifert, ſo nimmt ſich in ſeinem Lehrbuch die 
trigonometriſ<e Berechnung des regelmäßigen Siebzehne>s ſehr 
ſonderbar aus, als ein indianiſches Vogelneſt von einer Delikateſſe. 
Endlich hat Shlömil< no eine beſonders empfehlende Eigen- 
ſchaft heuriſtiſch abgefaßter Lehrbücher in dem Umſtand „entde>t“, 
daß eine Hauptübung, Aufſäte über alle wichtigen Sätße, nur 
in „dogmatiſcher“ Form verlangt werden könne, dieſelben aber 
bei einem in derſelben Form abgefaßten Lehrbuch auf bloße Pa- 
raphraſen des Lehrbuchtexts zurükfämen, Dies kehren wir ganz 
einfa; um, und machen „heuriſtiſche“ (oder wie man's nennen 
will) Zergliederungen eines zuſammengeſeßteren Beweiſes , oder 
Beleuchtungen des Zuſammenhangs u, dgl, zu nicht minder
	        

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