Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

+ Dex methodiſche Unterricht in ver Naturgeſchichte. 25 
allerdings zum Theil davon abhängig, die pädagogiſchen 
Schwierigkeiten einſchließlih der methodiſchen hinzu. 
Um zur Beſeitigung der angedeuteten Schwierigkeiten dieſes 
wie uns bedünken will, für allgemeine Bildungsanſtalten, höchſt - 
wichtigen Lehrzweiges nach Kräften mitwirken zu können, iſt es 
unerläßlich, zuerſt die ganze Sachlage, worin denn dieſe Shwie- 
rigkeiten eigentlich beſtehen und wurzeln, näher ins Auge zu faſſen. 
Wir behaupteten eben: Der erſte Grund derſelben ſei in 
der Wiſſenſchaft ſelbſt und deren hiſtoriſcher Ausbildung, 
wie ſie ſich bisher entwi>elt hat und dermalen beſchaffen iſt, zu 
ſn<en. Wenn überhaupt die ganze Naturwiſſenſchaft der neue- 
ven Zeit angehört, ſo iſt in Sonderheit die Naturgeſ<i<te 
erſt ſeit hundert Jahren auf eine wiſſenſchaftliche Bahn 
ihrer Entwicklung und zwar durch den großen Schweden Linns6 
gebra<ht worden, Und begreifliher Weiſe konnte dieſer erſte 
Begründer, ſo allſeitig und ſcharf ſein Bli auc< war, das 
enorme Material, was ihm zur Bearbeitung und Sichtung vor- 
lag , ni<t alſobald in eine vollendete wiſſenſc<haftlihe Geſtalt 
und Abrundung bringen. Zunächſt galt es, -die unendliche Viel- 
heit organiſ<her Weſen und unorganiſ<er Naturkörper nach 
Aehnlichfeiten und Verſchiedenheiten zu ordnen und zu ſondern, 
Es mußten Syſteme der Naturreiche mit ihrer weiteren Gliede- 
rung begründet werden. Die Terminologie oder Kunſtſprache 
war zu ſchaffen , um Beſchreibung des Bekannten und weitere 
Orientirung für das in endloſer Fülle zuſtrömende Neue mög- 
li< zu machen, Die Linne'ſhen Charakteriſtiken der Arten, 
die Eintheilung derſelben in Gruppen mußte nach dem-damali- 
gen Zuſtande der naturwiſſenſchaftlihen Nachbargebiete: Phyſik - 
und Chemie, no< ſehr einſeitig bleiben und ſich vorzugsweiſe 
auf äußerliche'Geſtalt- Unterſchiede und -Aehnlichkeiten ſtüßen. 
Vom innern Bau (Anatomie), von der Lebensthätigkeit der 
organiſchen Weſen (Phyſiologie) und von dem innigen Zuſam- 
menhange der materiellen Miſc< ungs verhältniſſe (Chemie) 
organiſcher Weſen mit deren ganzem Lebensproceß, von der ge- 
ſeymäßigen Abhängigkeit der Kryſtallgeſtalten (Mineral-Jndivi- 
duen) von deren <Hemiſcher Zuſammenſetzung konnte Linn & noc< 
nichts Durchgreifendes erkennen und in ſeine Beſchreibungen und
	        

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