Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

310 1. Abhändlungen. 
und Jenes, wenn es ohne Beeinträchtigung des Verſtändniſſes 
geſchehen kann und augenbliliher Vortheil daraus zu ziehen iſtz 
er läßt ſich --- mit einem Worte --- nicht von wiſſenſchaftlichen 
ſondern von pädagogiſchen Gründen leiten. So braucht 
man z. B. dem Anfänger von einer räumlichen Geometrie, 
ja vom Raum ſelbſt, gar nichts zu ſagen. Er iſt ſo ſehr daran 
gewöhnt, immer auf einer Ebene zu arbeiten (zu zeichnen, zu 
ſchreiben), daß er (au< wenn er zu den begabteren Schülern 
gehört) zuerſt gar nicht daran denkt, es könnten geometriſche Be- 
trachtungen auch außerhalb der Ebene angeſtellt werden. (Weil 
mich dies meine eigenen Erfahrungen aus frühern Zeiten gelehrt 
haben , berufe ih mich unbedenklich auf die Erfahrungen anderer 
Lehrer), Weder die Ebene no< die Gerade hat man dem 
Anfänger zu definirenz; er nimmt ſie als etwas Gegebenes, ihm 
Wohlbekanntes hin, und macht verwunderli<he Augen wenn man 
ihm mit einer Definition kommt, Nur daran hat man ihn erſt 
zu gewöhnen, ſic< beide unbegränzt und unfkörperlic<h zu denken, 
und dies iſt die erſte Abſtraktion die man ihm zumuthen muß, 
äber au< zumuthen darf. Der Kreis, der im Syſtem erſt an 
die Reihe kommt wenn man beweiſen kann daß er krumm 
iſt, muß bei einem erſten Unterri<t ſchon ſehr früh gebracht 
werden, damit man ſo bald als mögli in den Stand geſeßt ſet, 
Aufgaben durc praktiſche Conſiruktionen mit Zirkel und Lineal 
auflöſen zu laſſen. Die Parallelentheorie kann geradezu mit dem 
Satze eingeleitet werden: dur< einen Punkt läßt ſich immer eine 
Gerade, und nur eine, ziehen, welche eine gegebene Gerade 
nicht ſchneidet; wobei man nähere Nachweiſe für ſpäter in Aus- 
ſicht ſtellt. Die Sätze vom gleichſ<henkeligen Dreie> können un- 
mittelbar auf den Kreis übertragen werden, damit ſi< Gelegen- 
heit zu neuen Aufgaben ergibt. Den Lehrſäßen von der Congruenz 
der Dreie>e kann die Conſtruktion einzelner Dreie>e aus gege- 
benen Stücken vorausgehenz u. ſ. f. Soll aber der pädagogiſchen 
Rückſicht die wiſſeuſchaftlihe Geſtaltung ganz und bleibend auf- 
geopfert werden? OD nein, Wenn der verſtändige Lehrer an- 
fangs über ſeinen Lehrſtoff mit Freiheit ſchaltet, yo thut er dies 
nur, um für Erreichung ſeines nächſten Unterrichtszwe>es die 
wirkſamſten Mittel auszuwählen und vorweg in Anwendung zu
	        

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