Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

Ueber vie Begründung der Elementar-Geometrie. 311 
bringen. Dieſer Zwe aber iſt, dem Schüler klar zum Bewußt- 
ſein zu bringen was ein Beweis ſei, ihm die Ueberzeugung 
zu geben daß die Berkettung der Sätze zum Beweiſe 
das Weſentlichſte deſſen, was gelernt werden ſoll, ausmache, 
und eben dadurch das Bedürfniß des Beweiſes in ihm zu weden. 
Biel ſpäter als das Bedürfniß eines Beweiſes erwacht im Schüler 
das Berlangen nach möglichſt ſicherer Begründung der erſten Be- 
griffe; oder vielmehr es muß auch dieſes Verlangen erſt ſeiner 
Zeit durch den Lehrer gewe>t werden, Sobald ſich aber ein 
ſolHes Verlangen zu regen anfängt, muß es befriedigt werden. 
Dann iſt der Zeitpunkt eingetreten, wo der Lehrer Halt macht 
und ſich zu einer umfaſſenden Nepetition anſchi>t, welche nun- 
mehr in ſyſtematiſcher Ordnung, mit Ergänzungen und Erweite- 
rungen, den früher abgehandelten Stoff als gerundeten Theil 
eines wiſſenſchaftlichen Wanzen vorführt , wobei ein gutes, jetzt 
dem Schüler in die Hand gegebenes Lehrbuch zu Grunde gelegt 
werden kann. 
Zweitens muß ich ausſprechen , daß ich eine Begründung, wie 
ich ſie darzulegen verſucht habe, nur als Einführung in eine 
eigentliche Shulgeometrie für ausreichend und paſſend erachte. 
Stellt man ſim auf den höchſten wiſſenſchaftlihen Standpunkt, 
von welchem aus man einer radikalen. Neugeſtaltung der geſamm- 
ten reinen Geometrie entgegen ſieht, ſo erſcheint ein Verſuch wie 
der obige nur als ungenügendes Stü>- oder Fli>werk, und 
deßhalb als unbrauchbar, Allein die ſogenannte neuere Geo- 
metrie gehört für jeht no< nicht in die Schule, ſchon aus dem 
einfa<ßen Grunde, weil ſie nichts Fertiges iſt. Man mag 
einzelne Ergebniſſe der neuern Forſchung in die S<hulgeometrie 
mit aufnehmen, in Rückſicht auf die beſſern Schüler, oder als 
Belebung und Würze des Unterrichts; man treibt aber (obgleich 
dies Manche zu glauben ſcheinen) no< keine „neuere Geometrie“, 
wenn man Sätze derſelben dur< die alten Hülfsmittel (und 
ebendeßwegen meiſt etwas ſchwerfällig) beweist, Wir beſißen 
erſt ein fertiges Werk über dieſe neuere Geometrie, oder viel- 
mehr über einen Theil derſelben; nämlich Staudt's Geometrie 
der Lage, welche ſich zu Steiner's Werke ungefähr ebenſo 
verhält wie lekzteres zu den zerſtyeuten Vorarbeiten einzelner 
Pädag. Vierteljahrsſchrift, V1. . 99
	        

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