Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

314 I. Abhandlungen. 
Stufe der übrigen wiſſenſc<haftlichen EntwiFlung, wenn ſie ihren 
Zwe nicht verfehlen will, wobei dann die Methode des Unter- 
richts eine offene Frage bleibt, welche der Lehrer jedesmal an 
Ort und Stelle zwiſchen ſich und ſeinen Schülern ihm gegenüber 
zu löſen haben wird. 
Es hat mit den pädagogiſ<en Zweden überhaupt ſeine 
eigene Bewandtniß,. wie die anderen 
bildenden Künſte, ihren Zwe> auf ihren Gegenſtand nur zu 
übertragen, und dieſen, ohne ihn zu fragen, nah ihrem Bilde 
zu geſtalten ; ſo oder ſo will ich ihn haben! -- ſie muß ihn und 
das Bild, nac< welchem ſie geſtaltet, vielmehr- aus ihrem Ge- 
genſtande, gleichſam aus der Seele des Schülers ſelbſt heraus- 
zuholen, oder, wie ic< es an einem andern Orte *) genannt 
habe, „ihren Zwe darin zu motiviren“ wiſſen. 
Bei der Wichtigkeit eines ſo kritiſchen Unternehmens muß 
es erlaubt ſein, auf eine der gewichtigſten Autoritäten, wie die 
des Königsberger kritiſchen Philoſophen, zurükzugehen und deſſen 
Urtheil über den pädagogiſchen Zwe> der Geographie dem unſtri- 
*) Grundzüge zum Statut der Peſfialozzt-Stiftung. Erſter Rechenſchafts- 
bericht von Dieſterweg und Kaliſ<. Berlin 4847 bei Enslin. -- 
„Es würde überhaupt = und nicht blos mit unſern Volksſ<ulen dermalen 
„beſſer ſtehen , und der Eifer um ihre Verbeſſerung würde dankbarere Früchte 
„ragen, wenn man ſich mehr auf vie Motive, als auf vie Methode 
„des Unterrichts verlegen wollte, -- Die Methode lenkt und leitet deren 
„Wachsthum , aber ſie bewurzelt und befruchtet nicht. Die Pflanze kann 
„ihr unter ihren geſchi>teften Händen welken , ſterben. =- In den Motiven 
„des Lernens dagegen , in der Bruſt des Schülers verborgen und in der or- 
„ganiſchen Einheit ſeiner Geiſtes- und Willenskraft liegt das Geheimniß 
„ſeiner eigentlichen Lern- und Lebensthätigkeit , die aus vem Boden des Un- 
„terrichts ihre Nahrung zieht, und die aufgenommenen Stoffe zu ihrer Ent- 
„wilung und Erſiarkung verarbeitet, Mag ſie unter einer ſolc<en , vielleicht 
„auch unmethodiſcheren Pflege wieder regelrecht aufwachſen , ſo iſt es immer 
„doch ein geſundes Gewächs, das, wo es ſteht, auch ſeinen Mann zu ſtehen 
„weiß.“ =- Und wenn ich mir noch dieſen Zuſaß erlauben darf, wie viel 
vergebliche Kraft und Zeit der Lehrer und Schüler wird nicht bei dem un- 
motivirten, die Antwort vor der Frage octroyrenden Unterricht auf das 
An- und Eindoziren verſchwendet! Wie anders lernt ſich's nach Bedürfniß 
zu bewußtem Zwe>e1! Die ganze Nation könnte ſatt haben an dem Abfall, 
ver von ihren Auserwählten in den höheren Schulen täglich unbenußt unter 
die Füße getreten wird. 
 

	        

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