Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

Der methodiſche Unterricht in der Naturgeſchichte. | 99 
Pädagogen aller Farben über die der Naturgeſchi<hte in der 
Reihe der übrigen Unterrichtsfäher gebührende Stelle ſich ge- 
bildet haben. Indem wir ſie nam; Gruppen vornehmen , können 
wir ſie am Schnellſten überſchauen und kennen lernen, 
Die Einen meinen: Wenn auch der innere Gehalt der 
Naturgeſchi<te der wahren Geiſtesbildung nicht viel zu bieten 
im Stande ſei, ſo könne doc< dieſe „scientia amadilis“ recht 
nüßlich dazu verwendet werden, der Jugend durc< allerhand 
bilderreiche , gemüthliche Erzählungen und merkwürdige Anekdoten 
Über Lebensart, Kunſttriebe und Wanderungen der Thiere u. ſ. w. 
eine Abſpannung von dem ſchweren Lernſtoff der anderen („„eigent- 
li<en“) Wiſſenſchaften und beſonders der philologiſchen zu ge- 
währen. Man dürfe deßhalb dieſe zwedienliche Erholungs- 
wiſſenſchaft nicht aus der Schule verbannen. 
Andere glauben: Es wäre der Jugend ganz gut, die viel- 
fachen Eintheilungen in Reiche , Cläſſen, Ordnungen , Fa- 
milien, Gattungen, Arten, Abarten u, ſ, w. kennen zu lernen, 
Eine gewiſſe Art von formaler Logik, von Coordiniren 
und Subordiniren, von Subſumiren unter beſtimmt definirte 
Begriffe müſſe dom dabei wenigſtens herausfkommen und für 
andere Wiſſenſchaftszweige von Nuten ſein. 
Wieder Andere denken, wenn gleich ſie nicht viel mehr davon 
verſtehen, ſchon etwas gnädiger von der Naturgeſchichte, wenn 
ſie dieſelbe für werth und ſogar für beſonders geeignet halten, 
daß ſie niht nur durc< die genauere Erkenntniß einzelner Natur- 
dinge , ſondern au< durc< die Einſicht in den Zuſammenhang 
der natürlihen Weltordnung der religiöſen Seite des jugend- 
lihen Gemüthes heilſame Nahrung zuführen können. | 
Eine vierte Hauptanſicht über die Wichtigkeit der Betreibung 
naturgeſchi<tlihen Unterrichtes in allgemeinen Bildungsanſtalten 
iſt diejenige, wel<e die Naturgeſchi<hte, ohne ihr Weſen zu 
kennen (mehr vom Hörenſagen), für eine den ethiſhen Wiſſen- 
ſchaften : der Geographie (wie ſie Heinr, Ritter auffaßt) 
und der Geſchichte unentbehrlihe Hilfswiſſenſc<haft hält 
und deßhalb gern das Hauptſächlichſte dieſes Zweiges, ſo einen 
Ueberbli> des Wiſſenswertheſten auf der Schule getrieben zu 
ſehen wünſchte , ohne daß die Sache gerade zeitraubend werde..
	        

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