Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

Die Geographie in ver Schule. 317 
Verſtandes von Einſicht zu Einſicht vertieft, ſo ſehr kann ſich 
auch an ihr, wie bekannt, das Vorurtheil, das an den That- 
ſahen kleben bleibt, verflahen und borniren und gegen Ein- 
ſi<t und Bernunft verſtoken. 
Iſt es doch von jeher die allgemeine Klage, daß die Er- 
fahrungen der Eltern ihren Kindern ſo wenig, als die Erfah- 
rungen der Geſchi<te den Bölkern und reſp, deren Führern und 
Vormündern zu Gute kommen wollen, *) 
Die Geographie dagegen , die nur viele ſinnlih wahrnehm- 
bare Gegenſtände und deren Verhältniß im Raume zu und 
neben einander vor ſic< hat, Gegenſtände, wel<he der Beobach- 
tung Stand halten, iſt nicht nur dem ungebildeten . Verſtande 
zugänglicher, ihr Inhalt handlicher und handgreifliher für ihn, 
ſondern auch, indem ſie ihn über den beſchränkten Horizont ſeiner 
Umgebung zunächſt durc< neue und analoge Thatſachen erweitert, 
ihn dieſelbe in Vergleichung mit dieſen aus allgemeinen Geſichts- 
punkten betrachten lehrt, ganz dazu geeignet, zu der Reife des 
Urtheils, welches die Geſchic<te vorausſest, vorzubilden, zu erziehen. 
Leſe i< nun in den Lehrverfaſſungen und Lectionsplänen 
unſerer gelehrten Schulen, daß ſie in ihren Oberclaſſen die 
Geographie nebenbei mit der Geſchichte verbinden, = auch die 
Berliner Landes-Schulconferenz von 1849 **) läßt „innerhalb 
„des Geſchi<tsunterrichts für die hierzu nothwendigen 
„geographiſchen Kenntniſſe ſorgen z“' --- ſo ſcheint es mir, als 
müßte vielmehr umgekehrt die Geſchihte mit der Geographie 
*) Freilich! =-“- um Erfahrungen zu benußen , muß man ſelbſt Erfah- 
xungen machen können, muß man experimentiren können und um dies zu 
können, vor allen Dingen ſehen, mit eigenen Augen ſehen und -- beobach- 
ten gelernt haben. -- Die Geographie verhält fich zur Geſchichte in Be- 
ziehung auf die ſubjective Gelehrigkeit , die ſie vorausſeßbt, wie die natur- 
wiſſenſchaftliche Beobachtung zum naturwiſſenſchaftlichen Experiment. 
Das Auge, welches beim Experimentiren die Erſcheinung im Moment des 
Ueberganges von der Urſache zur Wirkung belauern ſoll, muß ſich erſt durch 
die Beobachtung , bei ver es prüfend verweilen und wiederholend verglei- 
<en kann, dazu geübt haben, -- Z< ſchie dieſe Anmerkung voraus, um 
ſie ſpäter, wenn von dem Verhältniß des naturwiſſenſchaftlichen Unterrichts 
zum geographiſchen näher die Rede ſein wird, in den Text heraufzunehmen. 
**) Verhandlungen über die Reorganiſation ver höhern Schulen. S. 203.
	        

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