Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

322 1. Abhandlungen. 
dener Weiſe wenig -- wenn nicht gar keine --- Geſchichte und 
eben ſo wenig Geographie gelernt, und dom von beiden ge- 
rade genug, um nichts mehr davon wiſſen zu wollen, ſo wird 
auf die vorgeſchlagene Weiſe vielleicht bei weniger Geſchichte, 
als bisher, mehr Geographie, und von letzterer hoffentlich ge- 
nugſam gelernt werden, um Sinn und Urtheil über den Raum 
hinaus auch für die Lehren der Zeit zu erweitern, damit dieſe 
nicht auch aus einem Mittel gegen die Bornirtheit in das der 
Bornirung umſchlagen, *) 
I< bin jedoch weit davon entfernt, auch dieſes „Weniger, 
als bisher“ =- wenigſtens in Betreff der geſchi<tlihen That - 
ſachen einzuräumen, 
Der Gang der Geſchichte durch die Jahrhunderte hat auf 
der Erde , dem Boden der Geographie , die Spuren ſeines Fort- 
ſchritts mit lesbaren Zügen zurüFgelaſſen. Wo iſt nunmehr ein 
Ort auf Erden, der nicht von ihr direkt oder indirekt berührt, 
von ihr ergriffen und geſtaltet worden wäre ? =- Die Geographie 
hat es in gleihem Maße, wie mit der Natur der Dinge phyſi- 
kaliſ<h ſo auc<h politiſ< mit den Einwirkungen der Kunſt und 
Induſtrie, und mit dem geſchichtlihen Gepräge zu thun, das 
ihr von dieſen aufgedrü>t worden z mit den Wundern der S<ö- 
pfung, wie mit den Schöpfungen, welhe Menſ<enwig und 
Menſchenfleiß nach ſeinem Bilde und zu ſeinen Zwecken aus ihr 
hervorgezaubert hat. Sie iſt nicht blos die Kenntniß der Erde 
nach wiſſenſchaftlihen Naturgeſezen, ſondern auc< ihrer Geſtal- 
tung durch die auf ſie rückwirkende Wiſſenſchaft. 
I< ſagte oben : es müſſe der Geographie geſtattet ſein, zu 
X) Der Bornirung unter andern durch octroyrte Parteianſichten rechts 
und links , die das Urtheil des Schülers vornweg im Vorurtheil des Lehrers 
gefangen nehmen. Wenn unſre Schüler zu ihrem eigenen hiſtoriſchen Ver- 
ſtande kommen ſollen, ſo iſt es jeht, wenn je, die höchſte Zeitz, ihnen bis 
dahin die Geſchichte auf das neutrale Gebiet ver Geographie zu. verlegen. 
---“ (Es iſt ſo viel vom hiſtoriſchen „Quellenſtudium“ die Rede, nachdem man 
mit vem abgeſtandenen Waſſer ſchon die Durſtigen getränkt! Man über- 
laſſe alfo wenn mans ehrlich mit vem Worte meint, vie Thatſachen dem 
geographiſchen Unterricht, und dem Sprachunterricht dagegen die Sorge, 
durch Lectüre aus der Quelle ſelbſt ven erften Trunk ſchöpfen zu laſſen. Es 
wird beiden, vem Sprachnnterricht wie ver Geſchichte, damit gleich gedient ſein.
	        

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