Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

30 | 1. Abhandlungen, 
Fragt man näher nad), wie die Vertreter dieſer Anſicht ſich die 
Löſung ihres Problems verwirklicht denken, ſo findet ſich in der 
Regel, daß ſie meinen, es ließe ſim ja do< wohl , ohne daß 
man ins Einzelne zu gehen und viel wirkliche Naturdinge den 
Schülern vorzurücken brauchte , eine einfa<e mündliche Mitthei- 
lung und Belchrung über die Hauptſa<hen geben. Freilich ſieht 
jeder / der nur die erſten Elemente naturgeſchichtlichen Unterrichts 
gefoſtet hat, welhe Unmöglichkeiten von dem Lehrer der Natur- 
geſchichte hier verlangt werden, 
. Die beſte Empfehlung glauben aber diejenigen der- Natur- 
geſchichte und der Naturwiſſenſchaft überhaupt zu ertheilen, welche 
deren groe Nütblichkeit fürs praktiſche bürgerliche Leben, 
Aderbau , Handel und Gewerbe als Grund herausheben, weß- 
halb man ſie unter die Gegenſtände des Schulunterrichts aufzu- 
nehmen habe, Nutzen und Schaden der Thiere , Pflanzen und 
Mineralien (Gifte aller Art, Culturpflanzen, Edelſteine u, ſ, w.) 
bilden für die Vertheidiger dieſer Anſicht den Mittelpunkt des 
naturgeſ<ichtlihen Unterrichts, wenn auch oft dieſes banauſiſche 
Ziel. nom bemäntelt wird, damit es nicht in ſeiner troſtloſen 
Nacktheit heraustreten möge, 
Mit den eben kurz <arafkteriſirten, bisher ſo landläufigen 
Grundanſichten über die (relative) Wichtigkeit des naturge- 
ſhichtlihen S<ulunterrichtes hängt begreifliher Weiſe auch die 
ganze bisherige Art und Methode, ſowie ſogar die Wahl der 
Perſon des Lehrers zur Erreichung dieſer Zwe>e zuſammen, 
Wie konnte es auc< anders ſein, da Directoren und höhere 
Sculvorſtände von dieſen Anſichten ſelbſt befangen waren und 
ſelten eine eigene, auf ſelbſtſtändige Studien gegründete Kennt- 
niß der Naturwiſſenſc<haft und der ihr eigenthümlichen inductiven 
Methode beſaßen. I< will nicht davon reden --- was übrigens 
auch nic<t vielfam geſchah --, daß man für dieſen Unterricht 
bisher gerade diejenigen Lehrer zu verwenden pflegte, von deren 
pädagogiſcher oder philologiſher Untüchtigkeit man ſich überzeugt 
hatte, die man aber immer no< für gut genug hielt, den unter- 
geordneten Zweig der Naturkunde an der Schule zu vertreten, 
Soviel iſt aber ausgemacht und Jedermann befannt, daß man 
in der Regel ſolchen Lehrern dieſen Unterricht übergab, welche -
	        

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