Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

II. Berichte. 
Verhandlungen des württemberg. Reallehrervereins bei der am 
29, Juni in Stuttgart gehaltenen Jahresverſammlung. 
In der Eröffnungsrede entwickelte der derzeitige Vorſtand des Vereins, 
Ober-Reallehrer Kieß von Tübingen ven Saß, daß die Realſchule vas 
Ferment in vem Gährungsproceß ſei, den das Geſammtſchulweſen derzeit 
durchzumachen habe. -- Es wurde ſodann das Protokoll vom vorigen Jahre 
verleſen. Dabei ergab ſich, vaß eine Eingabe des Vereins über die Neu- 
geſtaltung der Schulbehörden, welche am 24. Juni 4848 beſchloſſen und kurz 
darauf dem K. Cultminiſterium Übergeben wurde , bis jeßt troß mehrfacher 
Erinnerungen weder von dem Miniſterium noch von vem Studienrath einer 
Antwort gewürdigt worden ſei. -- Prof. Klumpp, welcher an dem Ober- 
gymnaſium in Stuttgart alte Sprachen docirt, derzeit aber als Amtsverweſer 
für ven Realſtudienrath in dem K, Studienrathe fungirt , wollte dieſen und 
das Miniſterium damit entſchuldigen, daß die Frage über die Schulbehörden 
mit den großen politiſchen Fragen, namentlich mit der Frage über das 
Verhältniß von Kirche und Schule zu einander ſo eng zuſammenhänge , daß 
vor Löſung dieſer Fragen eine Neugeſtaltung der Schulbehörden nicht mög- 
lich ſei, dem wird aber ſogleich entgegengehalten, jeßt entſchuldige man 
das , daß nichts geſchehe, damit, daß man nur Alles mit einander organi- 
ſiren könne, als aber die gewählten Vertrauensmänner des Reallehrervereins 
im Jahre 1848 nicht vor die K. Organiſationscommiſſion berufen worden 
ſeien , habe es der damalige Departements<ef damit entſchuldigt, daß man 
doch nicht im Stande ſei, Alles zugleich zu reorganiſiren, und daß man 
veßhalb jeßt nur mit der Neugeſtaltung der Volksſchule , nicht aber zugleich 
mit der der Realſchule ſich beſchäftigen könne. Daran anknüpfend , wurden 
dann bittere Klagen darüber geführt, wie die Realſchulen in Württemberg 
ſtiefmütterli< behandelt werden. Es wurde insbeſondere geltend gemacht, 
daß in dem K. Studienrathe ſeit längerer Zeit nicht ein einziges Mitglied 
ſei , welches die Hauptunterrichtsfächer ver Realſchule je gelehrt hätte, oder 
welches aus dem Realſchullehrerftande hervorgegangen wäre, oder Kennt- 
niſſe im Gewerbeweſen und über die Bedürfniſſe des Gewerbſtandes beſißen 
würde. Vorwürfe, auf welche, da ſie auf Thatſachen gegründet ſind, eine 
Antwort nicht mehr verſucht wurde. * Es wurden ſodann zwei Anträge ge- 
ſtellt, 4) mit Auseinanderſeßung der beſtehenden Verhältniſſe die früheren 
Eingaben der Landesverſammlung zu übergeben, oder 2) wiederholt die 
früheren Eingaben bei vem K. Studienrath , beziehungsweiſe vem Miniſte- 
rium des Kirchen = und Schulweſens in Erinnerung zu bringen. Hievon 
wurde der leßtere Antrag angenommen, wobei es unerörtert bleiben mag, 
ob die fortwährende Anweſenheit des prov. Realſtudienraths hiezu mitwirkte. 
(Fortſetzung folgt.) 
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