Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

328 I. Abhandlungen. 
graben. Denn jener Obſkurantisimus war ſo anſte>end, daß er 
nicht blos außerhalb der Kirhe unter dem Laienvolk graſſirte, 
ſondexn bald auc< den größten Theil des Kir<enſtaates ſelbſt 
ergriff. Und als nun das Licht der klaſſiſchen Aufflärung herein- 
brach und dur< daſſelbe erhellt die Geiſter zu ſehen begannen, 
da hatte ſie gegen die ſcharf gewordenen Schwerter der Auf- 
klärung nur ſtumpfe Waffen aufzuweiſen. Die alten Mittel 
verſagten ihren Dienſt; es mußten neue gefunden werden. Das 
Wiederaufleben des klaſſiſchen Studiums, die Erfindung der Buch- 
drucerkunſt, die zwei mächtigſten Hebel der Neformation, waren 
vollendete Thatſahen, und konnten dur< keine Macht der Welt 
rüfgängig gemacht werden. Man mußte lernen ſich in die neuen 
Verhältniſſe ſ<i>en und die Mittel der Wegner in ſeinen eignen 
Dienſt nehmen. Dieſes Geſchäft übernahmen die Jeſuiten und 
machten in der That ausgezeichnete Geſchäfte, Seit dieſer Zeit 
iſt die jeſuitiſhe Propaganda Vorbild geblieben für alle Be- 
ſtrebungen des gleichen Geiſtes, der alle beſtehenden Verhältniſſe 
nur als Mittel zur Erreichung weltliher Macht anſieht, und 
wird es bleiben, ſo lange die Welt ſieht; denn formell gibt es 
Feinen vollendeteren Organismus, denjenigen ausgenommen, wel- 
<hen der Geiſt der Wahrheit ſic< ſelber ſchafft, vor deſſen Hauch 
die fünſtli<ſten Gebäude wie Spreu zerſtieben. Sie greifen es 
klug an, die modernen Jeſuiten beider Confeſſionen. Die weit- 
verbreitete Sittenloſigkeit, die ſim in ſo vielen Berbrechen offen- 
bart, die Sonntagsentheiligung, der Mangel an Zucht bei der 
Jugend u. ſ. w., lauter Erſcheinungen , die kein Menſch läugnet 
und die von jeher dageweſen ſind , müſſen den Anknüpfungspunkt 
geben. Das gegenwärtige Geſchlecht iſt dur< und durch ver- 
dorben ; alſo muß man vor Allem einen neuen Grund legen, 
einen neuen Samen für die Zukunft ausſtreuen. Vollkommen 
wahr. Aber was nun? Hier trennen ſich die Wege. Der eine 
führt nac< vorwärts, der andre rüwärts. Dieſen ſchlagen die- 
jenigen ein, wel<he das Verderben blos als einen Abfall von 
dem guten Geiſte der Alten anſehen; und nicht zugleich als einen 
Abfall von den Mächten der Unwahrheit, wel<e die Bergangen- 
heit beherrſchten, Dahin aber rechnen wir vor Allem die ſtrenge 
Geltendmachung des Princips der abſoluten Autorität in politi-
	        

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