Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

330 1. Abhandlungen. 
in deutſchen Landen, als ob dadurch die Religion in Gefahr wäre, 
Freilich , die Religion iſt in Gefahr, welche eine abſolute welt- 
liche Macht über die Gemüther ausüben will, und für jeßt blos 
inſofern den Verhältniſſen Rechenſchaft trägt, als ſie ſich ſelbſt 
in den Dienſt der Mächtigen dieſer Welt begeben hat, um-zunächſt 
für ſie die Geiſter dienſtbar zu machenz die Religion, welche in 
religiöſen, nebenher aber auch in politiſ<en Angelegenheiten der 
Entwieklung des menſchlihen Geiſtes eine willführlihe Scranke. 
ſehen möchte. Dur< ihre Angſt haben ſie ſich verrathen. Durch 
die Angſt über ein Grundgeſetz , welches gerade aus dem Prin- 
zipe des <riſtlihen Staates hervorgegangen iſt, -- 
Es gibt zweierlei Mächte, welche der freien Entwicklung 
der Pädagogik hemmend in den Weg treten können z“ der Staat 
und die Kir<he, Der Staat, wenn er als ſolcher, nicht durch 
ſeine Organe, denen als Sachverſtändigen die Aufſicht über die 
Volkserziehung übertragen iſt, dieſer gewiſſe Schranken vorſchreibt, 
die ex für die beſtehende Form für nothwendig hält, Wir meinen 
den abſolutiſtiſchen Staat, der beſtändig beſorgt iſt, in dem Volke 
keine Begriffe von ſeinen Nechten auffommen zu laſſen, und darum 
auch die Quellen verſtopfen muß , aus denen eine ſolc<e Erkennt- 
niß mittelbar fließen könnte, In einem ſol<en Staate wird die 
Erziehung immer einen militäriſchen Anſtrich bekommen , wie in 
Rußland. Dieſe Gefahr war in Deutſchland nicht vorhanden, 
oder derſelben durc< anderweitige Inſtitutionen vorgebeugt, darum 
hatte die Nationalverſammlung die Schule nur vor der andern 
Macht, der Kir<e, zu ſhütßzen, um ſo mehr, da dieſe ſelber 
vom Staate emancipirt werden ſollte, Und zwar gilt dies eben 
wegen der letzteren Beſtimmung na<g allen Seiten hin, Denn 
jeder Partei wäre dadurc< eine gefährlihe Waffe in die Hand 
gegeben. Die Schule als ſol<e hat blos dafür zu ſorgen , daß 
die Zöglinge zu tüchtigen Bürgern herangebildet werden, abge- 
ſehen von confeſſionellen und politiſchen Unterſchieden. Deßwegen 
wird und darf er nie die Schule der religibſen Einwirkung ver- 
ſchließen, vorausgeſett, daß dieſe ſeinem eigenen Beſtehen nicht 
entgegenarbeitet, Wer das Gegentheil behauptet, wer =- ic< 
ſage ni<t den Pfarrer über den Schulmeiſter, ſondern =- die 
Kirc<e über die Schule ſtellt, der muß fkonſequenter Weiſe zur
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.