Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

Nachmärzliche Pädagogik. 331 
Staatsreligion und zur Hierarchie zurückfehren; ſonſt wirft er die 
confeſſionellen Differenzen auf eine ſtörende Weiſe in das ganze 
Staatsleben hinein, =- Wenn nun die Erziehung keine andere 
Mat über ſich hat, als den Staat, und der Staat ſelbſt ein freier 
iſt, ſo iſt ſie in die Bahn gelenkt, welche der Geiſt der neuen Zeit 
ihr anweist, d. h, ſie hat ihr Princip nicht außer ihrem Gebiet, 
ſondern in ſim ſelbſt, und ihre Wiſſenſchaft iſt, wie jede andre, 
autonomiſch. Dieſes Princip iſt nun einfach: Die Aufgabe der 
Erziehung iſt den Menſchen zum Menſchen zu bilden; eine Aufgabe, 
die der Sa<ße nac< mit der Jdee des vor und über allen con- 
feſſionellen Unterſchieden ſtehenden Chriſtenthums zuſammenfällt, 
Bon dieſem Geſihtspunkt aus werden wir nun drei der 
neueſten Pädagogik angehörigen Schriften etwas näher anſehen, 
von denen die erſte und lette von dem Geiſte der Neuzeit durc<h- 
drungen ſind; jene das ganze Gebiet der Pädagogik in kurzen 
Andeutungen durchläuft, dieſe einen einzigen aber hochwichtigen 
Theil derſelben herausgreift, die mittlere dagegen ein <arak- 
teriſtiſ<hes Zeugniß ablegt von dem fanatiſchen Beſtreben der 
Reaktion, auch auf dieſem Gebiete eben wegen ſeines entſcheidenden 
Einfluſſes auf die Politik die alte Barbarei zurüczuführen, 
1. Grundzüge der Erziehungslehre yon Guſtav Baur, 
Prof. der Theologie in Gießen, 2, vermehrte und theil- 
weiſe umgearbeitete Auflage. Gießen, IJ, Nider'ſche 
Buchhandlung 1849. 8. 345 S, 
Das vorliegende Werk iſt zwar eine zweite Ausgabe, ge- 
hört alſo ſeinem eigentlihen Anfang na< der früheren Zeit an; 
allein gerade die Erweiterung trägt deutlih die Spuren der 
neuen Bewegung, z. B, in dem neu hinzugekommenen Para- 
graphen über die Bildung zur Nationalität. Und außerdem 
war ja die politiſhe Bewegung auch nicht blos eine gemachte 
oder ein Donnerſchlag aus heitrem Himmel, ſondern eine ge- 
wordene und gerade die Hauptfragen im Gebiete der Schule 
wurden lange vorher in Theorie und Praxis behandelt, Das 
ganze Werk iſt zwar durchaus von wiſſenſchaftlihem Geiſte durch- 
drungen , nimmt aber darum keinen ſtreng wiſſenſchaftlihen Gang; 
die Entwicklung iſt mehr pſy<ologiſ< als logiſch ; ſie geht von 
der Erfahrung aus weil „Einigung über -ein beſtimmtes. philo-
	        

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