Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

Nachmärzliche Pädagogik. 333 
Dieſen Begriff läßt nun der Verf, die praktiſche Probe der 
Geſchichte beſtehen. Wir erhalten in dieſem Theile , welcher zu 
den gelungenſten des Werkes gehört, einen bündigen Abriß der 
Haupterſcheinungen auf dem Gebiete der Pädagogik und zwar 
Alle im Lichte des oben aufgeſtellten Begriffs aufgefaßt. Dem 
gemäß werden drei Entwiklungsſtufen unterſchieden, nämlich 
1) die des vor<riſtlihen Orients, welcher das Allgemeine auf 
Koſten der Individualität erhob, was an den Kulturvölkern der 
Chineſen mit ihrem Mechanismus einer das ganze Bolk beherr- 
ſchenden patriarc<haliſchen Hausordnung zz der Inder mit ihrem 
Kaſtenweſen und ihrem Streben, dur< Ertödtung des Indivi- 
duellen im Allgemeinen aufzugehenz -der Perſer mit ihrem Des- 
potigmus und ihrer blos negativen Sittlichfeit, die nur von dem 
Böſen ſic< rein erhalten will; der Iſraeliten mit ihrer unbeding- 
ten Unterwerfung unter das äußere Geſetz ; endli< der Aegypter 
mit ihrer blos mechaniſchen Ausbildung geiſtiger und körperlicher 
Kräfte nachgewieſen wird. Geiſtreich iſt der Uebergang von der 
erſten zur zweiten Stufe: „Die Sphinx iſt das ſprechendſte 
Symbol des ägyptiſ<en Geiſtes, der aus den Feſſeln der Natur 
ſich loszuringen ſucht, aber zum Ziele dieſes Strebens no<h nicht 
gelangt. In Griechenland erſt wurde das Räthſel der Sphinx 
gelöSt und ſeine Auflöſung lautete: der Menſc<.“ Das Ziel 
des griechiſchen Strebens iſt die Sc<hönheitz und zeigt ſich dies 
ſchon in der mythiſchen Darſtellung der Urzeit, z. B. in dem 
Chiron dem Erzieher des Heracles und Achilleus, mit Beein- 
trächtigung der individuellen Freiheit in der doriſchen, am vollen- 
detſten in der joniſhen Erziehung. Bei den Römern kommt 
ein neues wichtiges Moment hinzu dur< die höhere Stellung, 
welche das weibliche Geſchle<ht in der Familie einnimmt, 
Was nun die vor<riftlihe Welt in entgegengeſeßter Rich- 
tung einſeitig verfolgt hatte , das iſt im Chriſtenthum zur höhern 
Einheit verſöhnt. Hier wird die pädagogiſche Aufgabe zuerſt 
auf die ganze Menſchheit bezogen, und darum iſt dieſes Prinzip 
für alle Zeiten gültig. Uebrigens wurde es nicht ſogleich von 
der <riſtlichhen Welt in ſeiner Reinheit erkannt und angewendet; 
ſondern erſt na<dem das Mittelalter auf den altteſtamentlichen 
Standpunkt der äußeren Zucht zurüFgeſunfen war, brachte die
	        

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