Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

334 I. Abhandlungen. 
Reformation auch auf dieſem Gebiete neues Licht, und es werden 
nun die bedeutendſten Erſcheinungen in den verſchiedenen Ländern 
der Reihe nac< aufgeführt und namentlich auch der jeſuitiſchen 
Reaktion in umfaſſender und belehrender Weiſe gedac<ht. “ Von 
Ausländern werden beſonders hervorgehoben: die Engländer 
Franz Baco von Verulam und John Lo >e, und die Franzoſen 
Michael Montaigne und J, I. Rouſſeauz unter den 
Deutſchen: außer den Reformatoren Wolfg. Ratich, die Gründer 
des alten Pietiömus Spener und France, die Philanthropiſten 
Baſedow, I. H. Campe und Salzmann, und als eigent- 
liher Gründer der neueren Pädagogik Joh. Heinr, Peſtalozzi. 
„Endlich bietet für unſre Auffaſſung des Begriffes von Erziehung 
die ſo eben (Berlin 1849) erſchienene Erziehungslehre von 
Schleiermacher die erfreulichſte Beſtätigung. Sie iſt nur 
eine Durc<führung der Anſicht, daß die beiden Hauptfactoren 
der Erziehung ſeien, einmal die Ausbildung der individuellen 
Eigenthümlichfeit, dann die Einführung des Individuums in 
den Dienſt der Gattung und der in ihr waltenden göttlichen 
Geſeße,“ 
Nach dieſem hiſtoriſchen Excurſe kehrt der Verf, zu ſeiner 
poſitiven Aufgabe zurü> und gibt, nachdem no< als Alter der 
-Unmündigen das Kindes- und Jünglingsalter, als das der Mün- 
digen das Mannesalter angegeben, auch das Verhältniß von 
Familie und Schule dahin beſtimmt iſt, daß in jener die Grund- 
lage, in dieſer die Vollendung der Erziehung ihre Stelle habe 
und daß bei einem Gehenlaſſen eine Erziehung für die Geſell- 
ſhaft unmöglich, vielmehr hiezu eine planmäßige Behandlung 
nothwendig ſei, die Eintheilung des Werkes in Pädagogik oder 
Erziehungslehre im engeren Sinne und Didaktik oder Unterrichts- 
lehre. Diejenigen , welche die Pädagogik ſogleich mit den Regeln 
der Erziehung beginnen, vertrauen nach der Anſicht des Berf. 
zu viel auf die abſtrakte Methode. Bielmehr iſt die Perſönlichkeit 
des Erziehers vor Allem zu berückſichtigen und zwar nah ſeiner 
natürlichen und ſittlichen Individualität. Was zuerſt das Geſchlecht 
des Erziehers betrifft, ſo wird zwar der erziehende Einfluß des 
Weibes namentlich auf die Innigkeit des Gemüths , beſonders 
beim weiblichen Geſchlechte, anerkannt, die oberſte Leitung und
	        

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