Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

Der methodiſche Unterrſc<t in dex Naturgeſchichte. 31 
von dem Fah - eigentlich ſogut wie Nichts verſtanden , ſondern 
für die Sc<hulzwe>e darauf ſich in kürzeſter Friſt einzuſchießen 
beauftragt wurden. Es kamen auc< Fälle vor, wo tüchtigen 
Fahlehrern, welche gewiß im Stande geweſen wären , einen 
guten Unterricht zu geben, durch die Sc<hulvorſtände ſo in Me- 
thode und Hilfsmitteln die Hände gebunden wurden, daß ihr - 
Unterri<ht beim beſten Willen verkümmert und gelähmt wurde, 
Andererſeits gab es aber auch einzelye recht einſihtsvolle Direc- 
toren und Schulbehörden, die in der feſten Ueberzeugung , daß 
nur durc< Leute, wel<he im Fach gehörig bewandert ſind, für 
dieſen Unterricht etwas Erſprießliches zu leiſten ſei, Fachlehrern 
die Sache in die Hand legten, leider aber wiederholt die ab- 
ſ<hre>ende Erfahrung machen mußten, daß ſol<e ſogenannte 
Fachlehrer, wenn ſie auch eine große Summe von Einzelkennts- 
niſſen hatten, jeder allgemeineren Bildung baar, alle höheren 
zuſammenfaſſenden Geſichtspunkte außer Augen ließen und durch 
Taktloſigkeit und Mangel an Pädagogik trotz der (einſeitigen) 
Kenntniß ihrer Fachwiſſenſchaft mehr Sc<haden als Nuzen für 
die wahre Humanitätsbildung ſtifteten, 
Wir ſehen ſchon aus dieſen Erörterungen, mit welchen Schwie- 
rigkeiten die praktiſche Ausführung eines guten naturgeſchicht- 
lihen Schulunterrichts verknüpft iſt, und welche Umſicht dazu 
gehört, hier die gefahrdrohenden Klippen zu umſchiffen. 
Wir kommen nun dazu, den Zwe des naturgeſchichtli<hen- 
Sculunterrichts, das Verhältniß deſſelben zu den anderen 
Zweigen näher zu unterſu<hen, Methode, Lehrgang und 
Hilfsmittel kennen zu lernen. | 
Die allgemeinen höheren Bildungsanſtalten , von denen wir 
hier vorzugsweiſe reden, ſind berufen, die Jugend durch eine 
rein menſchli<e, freie Gymnaſtik des Geiſtes allſeitig und har- 
moniſc< durchzubilden. Sie ſollen den ganzen Menſchen exr- 
faſſen ; ihn methodiſch zur Selbſtthätigkeit heranziehen und zur- 
Hochſchule ſo vorbereiten, daß ſich an die empfangene Schulbildung 
wiſſenſchaftlihe und te<hniſhe Fachſtudien anſchließen können. 
Wenn nun darüber kein Zweifel ſein kann, daß , um eine- 
harmoniſche Ausbildung des ganzen Menſchen zu erzielen, gewiß 
Feine Hauptſeite des menſchlihen Geiſtes bra< und unangebaut.
	        

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