Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

Nachmärzliche Pädagogik. - 335 
Vollendung des Erziehungsgeſchäfts aber, wozu ein Eingehen 
in fremde Individualität und eine umſichtige Beziehung auf die 
ganze Menſchheit erforderlich iſt, dem Manne zugewieſen; und 
zwar vorzugsweiſe dem jüngeren im Alter von 25--45 Jahren, 
weil ſolche am beſten geeignet ſind, mit der Jugend ſich in Com- 
munikation zu ſegen. Ferner iſt körperliche Geſundheit ein uner- 
läßliches Erforderniß zur Vollkommenheit des Erziehers; nicht als 
ob auch fränfliche Lehrer ſegensreih wirken könnten, ſondern 
weil nur der geſunde ſich unbefangen und mit ganzer Seele 
ſeinem Berufe hinzugeben vermag. Den Uebergang von der 
natürlichen zur ſittlihen Individualität bildet das Temperament 
und da wird, weil dasjenige Temperament am tauglichſten ſei, 
das Receptivität und Spontaneität in möglichſt gleihem Maaße 
vereinigt, der Choleriker für den tüchtigſten Erzieher erklärt und 
zugleich angegeben, wel<he Mängel die übrigen Temperamente 
für die Erziehungsthätigkeit mit ſich bringen. Was nun die 
ſittliche Individualität des Erziehers betrifft, ſo muß er eine 
ausgebildete Perſönlichkeit ſein und bei ſeiner Aufgabe ein be- 
ſtimmtes Ziel vor Augen haben, alſo ſich namentlich vor dem 
Experimentiren nach einer beſtimmten Methode hüten, 
Da aber das Individuum zu einem Glied der Menſchheit 
erzogen werden ſoll, ſo muß in dem Erzieher die Idee der 
Menſchheit lebendig ſein, er muß ſich ſeiner Selbſtſucht ent- 
äußern durch die Liebe zu Gott und zur Menſchheit. Aber mit 
der leeren Begeiſterung iſt es nicht gethan , ſondern dieſe muß 
auch Liebe zu ſeinem Berufe ſein, damit er auch bis ins Kleinſte 
ſeine Pfli<t gerne erfülle. 
Jn Bezug auf den Zögling haben wir es blos mit den 
natürlichen , niht auch mit den ſittlihen Beſtimmungen der In- 
dividualität zu thun, weil letztere erſt Reſultat der Erziehung 
ſind. Hinſichtlich des Alters ſind die 2 Stufen des Kindes- und 
Jünglingsalters zu unterſcheiden. Gegen jenes als das no< 
ganz unſelbſtſtändige hat der Erzieher vorzugsweiſe poſitiv , gegen 
dieſes, da bereits die Fähigkeit zu ſelbſtſtändigem Handeln her- 
vortritt, nur negativ , einſchränkend zu verfahren. Im entgegen- 
geſetzten Falle würde bei dem Kinde der Grund zu Unbehülflich- 
keit und Trägheit oder zu egoiſtiſcher Willkühr, bei dem Jünglinge
	        

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