Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

Nachmärzliche Pädagogik. 339 
in hohle Phantaſterei , das Lernen in unpraktiſches Wiſſen, das 
Gefühl in Sentimentalität aus. Die Cardinaltugend des Willens 
iſt der Muth oder das mit der Hoffnung des Gelingens verbun- 
dene Beſtreben , die Forderungen an das Gefühl und Denken 
zu realiſiren, in der Ueberzeugung , daß ſie mit dem göttlichen 
Geſetze übereinſtimmen. I< nehme hier Gelegenheit, yon mir 
aus auf einen hieher gehörigen Fehler aufmerkſam zu machen, 
den der Verf. unberührt gelaſſen hat, nämlich auf das Treiben 
einer religiöſen Partei , die ſchon bei der Erziehung von dem 
Dogma der allgemeinen Verderbniß des Menſchen und der gött- 
lihen Gnade einen ausſchweifenden, die Grundfeſte aller Ex- 
ziehung erſchütternden Gebrauch ma<t, Eine Erziehung, welche 
dem Zögling ſhon in früheſter Jugend immer von der natür- 
lihen Verdorbenheit vorſ<watßt, welche die au< dem natürlichen 
Menſc<en, d. h. dem Menſchen ſeiner Anlage nac< inwohnende 
aber allerdings der Erziehung bedürftige Kraft des Willens läug- 
net, iſt ganz dazu geeignet, entweder den Muth des Zöglings“ 
niederzuſchlagen und alle Freudigkeit des Strebens zu unterdrücken, 
oder aber das Gift der Heuchelei in das unreife Gemüth einzu- 
flößen, An dieſem Orte hätte aug dürfen, und dies möchte 
ich für ein Ueberſehen des Berfaſſers halten, von dem Gewiſſen 
geſpro<hen werden, das nach meiner Anſicht eines der wichtigſten 
Momente der Erziehung bildet. Denn gerade an die Stelle jener 
Deklamationen von der tiefen Berdorbenheit des Menſchen möchte 
ic< die Shärfung des Gewiſſens als eine Hauptaufgabe der Päda- 
gogik ſeen, Das iſt eben die vom Verf, angeführte Ueberzeugung 
von der Uebereinſtimmung des Willens mit den göttlihen Ge- 
ſezen und das den ſtrebenden Willen als Lohn oder Strafe 
begleitende Gefühl, 
Die Gewandtheit des Willens zeigt ſi hi in vielſeitiger Thätig- 
Feit, die Kraft im Fleiße. 
Da der Geiſt nur dur< den Körper als ſein Organ thätig 
ſein kann, ſo iſt es Aufgabe der Erziehung, auc<h für die Ge- 
ſundheit des Körpers beſorgt zu ſein. Cardinaltugend des Jndi- 
viduums als körperlichen Weſens iſt die R einheit. Dieſe äußert 
ſim in der körperlichen Reinigkeit , im Unterlaſſen unſchöner Ma- 
nieren und Geberden und des widernatürlihen Mißbrauchs der
	        

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