Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

Nachmärzliche Pädagogik. 343 
und auch dadurch, daß der Uebergang von dem einen zum an- 
dern möglichſt erleichtert wird, 
Endlich iſt noh vom Unterſchiede des Geſchlec<hts die Nede. 
Hier hat der Verf. einen kühnen Gedanken, nämlich den des ge- 
meinſchaftlihen Unterrichts / ſoweit die Fächer gemeinſchaftlich 
ſind bis zum Jünglingsalter, ſo weit keine Ueberfüllung dadurch 
entſteht. Er geht von dem Grundſatz aus, daß dadurch eine 
einſeitige Behandlung vermieden wird, und namentlich, was das 
ſittliche Bedenken betrifft, daß das Intereſſe beider Geſchlechter 
für einander als der Keim eines berechtigten Gefühles , wenn 
es weiſe geleitet wird , nur wohlthätig wirken kann, Das Princip 
iſt richtig, die Ausführung dürfte jedo<m auf große Hinderniſſe 
ſtoßen. Deßwegen beſchäftigt ſich au< der Berf, noch mit den 
Anforderungen an die höheren Mädchen - und Töchterſchulen ; 
und ſchließt mit der Bemerkung, daß die weibliche Erziehung 
ihr eigentlihes Gedeihen doh nur im elterlichen Hauſe finden 
kann z und daß das weibliche Wiſſen nur inſofern ein lebendiges 
iſt, als in der Familie Werth darauf gelegt wird. 
Der Staat hat das Rec<t und die Pfliht, für Erziehung 
und Unterriht zu ſorgen dur< Gründung von Schulanſtalten 
und Beſtellung tüchtiger Vorſteher und Lehrer. Es darf dies 
nicht dem guten Willen einzelner Gemeinden oder Familien über- 
laſſen ſein. Dadurch ſind übrigens Privatinſtitute, die Oberauf- 
ſiht des Staates vorausgeſest, nicht ausgeſchloſſen. Ihnen darf 
der Staat blos dur< Vervollkommnung ſeiner Anſtalten gegen- 
übertreten, | 
Die Kirche iſt der hiſtoriſchen Entwieklung nac< die Mutter 
der Schule , daraus folgt aber nicht, daß die Tochter lebensläng- 
lich unter Vormundſchaft zu bleiben habe, Vielmehr iſt eine 
Trennung nothwendig in der beiderſeitigen Oberaufſiht und BVer- 
waltung, wodurch eine innige Wechſelbeziehung nicht ausgeſchloſſen 
wird. Bei der Volksſ<hule wird allerdings der Geiſtlihe in der 
Regel an der Oberaufſicht Theil nehmen, aber nur , ſofern ſeine 
Bildungsſtufe ihn vorzüglih dazu befähigt. Ganz na< den 
deutſ<hen Grundrechten. 
Bei der Methode im Allgemeinen wird die mechaniſche und 
dynamiſche unterſchieden; letztere, wel<he das Wiſſen zum wahren 
Pädag. Viertelſahrsſchrift. YI, 24
	        

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