Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

32 6 Abhandlungen. 
liegen bleiben darf, ſo wird die Anſchauung ſchon frühzeitig 
fultivirt werden müſſen, Dafür iſt gerade die Naturgeſc<ic<hte 
das beſte Bildungsmittel. Anſchauung, und zwar zuerſt die 
rein ſinnliche iſt (ſagt Peſtalozzi ſehr treffend) das Funda- 
ment aller Erkenntniß. Und wie Viele von uns kommen 
darüber nie re<t zur Klarheit, warum ſi< in ihrem ſpäteren 
Leben an ihre in früher Jugend aufgenommenen Anſchauungen 
der mannigfachſten Art ſo häufig eine ganz beſtimmte Auffaſſung 
und Gemüthsſtimmung und darnach eingerichtete Handlungsweiſe 
anſchießt. Wie ſelten können wir uns darüber genügende Rechen- 
ſchaft ablegen , warum gerade gewiſſe Seiten der Natur und 
-des Lebens uns für alle Zukunft trotz unſerer eifrigſten Bemü- 
hungen verſchloſſen bleiben oder auc<, im umgekehrten Falle, 
uns ſolche eröffnet ſind , welche anderen Mitmenſchen abgehen. 
In den Bildungsmitteln unſerer Jugend und derer 
richtiger harmoniſc<er Abwägung iſt gewiß in den meiſten 
Fällen der Schlüſſel zu dieſer Erſcheinung zu finden. 
Wie ſehr iſt nun aber die richtige Beobac<htung und das 
Sehenlernen von Wikhtigkeit für alle Wiſſenſchaften, und 
wie bringt gerade ein gut geleiteter naturgeſchichtlicher 
Unterricht diejenigen ethiſchen Wiſſenſchaftszweige zu ſicherem 
und wohlbegründetem Verſtändniß, welche gewiſſermaßen die 
Brücke zu den ſprachlich-philoſophiſchen Studien ausmachen und, 
mehr no<, geradezu den gemeinſamen Centralpunkt alles menſch- 
lihen Wiſſens bilden; wir meinen Geographie und Ge- 
ſ<ic<te, wie- ſie in der neueren Zeit als von einander unzer- 
trennlic< in allſeitiger Auffaſſung getrieben zu werden pflegen, 
Hier vermittelt gerade der naturgeſchichtlichhe Unterricht, der, wie 
wir glei< näher erörtern werden , eine ſtete Anleitung zur Beo- 
bachtung ſein muß, dem jugendlichen Gemüthe zunächſt die reine 
Wiſſenſchaft mit der Wirklichkeit. Allmählig und unver- 
merkt füllt ſich ſo eine Kluft aus, die ſonſt unvermeidli<h wäre. 
Dann wird das volle wirklihe Leben, iſt ſonſt nur der Lehrer 
der re<te Mann, dem Schüler in dem Vortrag der Geographie 
und Geſchichte leibhaftig vor die Augen gerückt. = | 
An dieſer Stelle wird es uns einmal wieder ſo recht klar, 
daß es ebenſoſehr ein Ding der Unmöglichkeit iſt, die Menſchen
	        

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