Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

Nachmärzliche Pädagogik. 347 
herrſchenden Neigung zur Sorge für die materiellen Intereſſen 
weder der höhern wiſſenſchaftlichen, noc< der niedern Volksbildung 
'Fförderlich ſei. . 
Mit dem 2en Abſchnitt nun: „wie ſieht's aus? oder die 
Wurzeln der Revolution in der modernen Bildung“ werden wir 
plöpßlich in mediam rem hinein verſeßt. „Die lezten Gründe 
des Uebels nämlich liegen in dem vorherrſchenden Zuſtande der- 
jenigen Wiſſenſchaften, von deren richtiger Pflege die pädagogiſche 
Einſicht in Handhabung der pädagogiſchen Mittel abhängt, näm- 
li< der rein philoſophiſchen.“ Die herrſchende Philoſophie in 
Preußen ſeit vielen Jahren iſt die Hegel'ſche; einer ihrer ange- 
ſehenſten Coryphäen iſt Profeſſor Dr. Roſenkranz, der in der 
Revolution beinahe Miniſter geworden wäre, Nun aber hat 
dieſer ein Syſtem der Pädagogik geſchrieben, und darum ſollen 
an dieſem die Spuren des revolutionären oder anarchiſ<en Zu- 
ſtandes des philoſophiſchen Denkens nachgewieſen werden. Doh 
haben wir dem Gange der Unterſuchung bereits wieder vorge- 
griffen. Denn wir müſſen uns abermals vorher durch eine Ein- 
leitung, dießmal eine politiſch-philoſophiſche , hindur<arbeiten, 
Zuerſt nämlich kämpft der Verf. gegen ein anderes Werk von 
Roſenkranz ſeine Pſychologie in Verbindung mit den Pſy<ologien 
von Michelet und Erdmann, oder läßt vielmehr einen ehmaligen 
Prager Profeſſor Exner , jekt Miniſterialrath in Wien, dagegen 
kämpfen. Trotzdem, wird nun weiter behauptet, daß Roſenkranz 
von jenem wiſſenſchaftlich getödtet worden ſei, habe er doh eine 
Pädagogik geſchrieben; ein Werk, das den revolutionären Cha- 
rakter offen an der Stirne trage, da der Verf. in der Vorrede 
ſagt : „ih brauche mich nicht zu ſheuen, meine no< während 
der allgemeinen Nuhe ausgereifte Arbeit der Oeffentlichkeit zu 
übergeben, weil ich ſtets meiner Ueberzeugung nachgelebt habe 
und deßhalb wie meine bisherigen Schriften beweiſen, in dem 
glüflihen Fall bin, im Weſentlihen mit den nun ſo energiſch 
ausgeſprochenen Forderungen des deutſchen Volkes ſchon vorher 
mich in Uebereinſtimmung gefunden zu haben.“ Aber der Verf. 
der Pädagogik hat Sympathie für ſeine „ſ<ändlichen“ März- 
ereigniſſe noch deutlicher verrathen, indem er ſagt?! „Sonnabend 
am 18, März ſchrieb ich die lezten Paragraphen dieſer Pädagogik
	        

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