Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

348 | I. Abhandlungen. 
in denſelben Augenbli>en, als zu Berlin die militäriſche Bureau- 
Fratie unſeres bisherigen Staates unter dem ſelbſtmörderiſchen 
Donner ihrer Kanonen zuſammenbrach, um Preußen im Verein 
mit Deutſchland aus ſol<her reinigenden Flamme zum freiſittlichen, 
zum wahrhaften Vernunftſtaat auferſtehen zu laſſen. Tief und 
ſc<merzlic< beflage ich es, daß der Weg der Reform, den wir 
ſchon wandelten, abgebro<en werden mußte, Aber die Klage 
hilft niht, und die Wogen der Revolution fluthen über Deutſch- 
land hin.“ An letzteres knüpft nun unſer Verf. die Bemerkung an, 
daß vielmehr der Weg der Revolution in der Philoſophie ſchon 
lange betreten geweſen ſei, und nimmt Veranlaſſung, vermuthlich 
aus einem ſeiner Collegienhefte eine kurze Geſchichte der Philo- 
ſophie von Kant an einzuflechten, bei wel<er Gelegenheit nament- 
lich auch Fichte wegen der revolutionären Deſpotie ſeines I< 
gezüchtigt wird. Nun erſt ſind wir wieder bei der Roſenkranz- 
ſchen Pädagogik angelangt, die nun weitläufig beſprochen oder 
vielmehr dur<gehechelt wird. Sonſt, wenn man ein Buch be- 
urtheilt , ma<t man ſic<s zur Aufgabe, daſſelbe vor allen Din- 
gen zu leſen und zu ſtudiren; und wenn man ſich hineingearbeitet 
hat, dann hat man auch das Recht, entweder gegen die Anord- 
nung des Ganzen, oder gegen die Entwiklung aus dem Principe, 
oder gegen einzelne Theile Einwendungen vorzubringen, Nicht 
ſo der Verfaſſer. Nachdem man ſeine Kritik geleſen hat, ſieht 
man ganz deutlich, welh<en Weg er eingeſchlagen. Roſen- 
kranz, das wußte er vorher, iſt ein Hegelianer, deßwegen, no< 
mehr aber wegen ſeiner märzlichhen Vorrede iſt er ein Haupt- 
revolutionär. Der muß maltraitirt werden. Wenn man mit 
dieſem Vorſatz an ein Werk geht, dann iſt es natürlich keine 
Kunſt, aus dem Zuſammenhange Stellen herauszureißen, die 
eine leihte Gelegenheit zum Angriff darbieten; zumal bei einem 
Werke, das der Hegel'ſhen Terminologie folgt, die von jeher 
den Mißhandlungen malitiöſer Silbenſteher und Wortklauber 
ausgeſeßt war. Wir wollen dies an einigen Beiſpielen nach- 
weiſen. Roſenkranz will eine Syſtematik geben, welche die 
Hauptbeſtimmungen der pädagogiſchen Wiſſenſchaft nac<h ihrer 
logiſ<en Nothwendigkeit von Innen heraus ordnet, Darauf be- 
merkt unſer Kritiker : „Der Gedanke dürfte dem vollſtändig räth-
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.