Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

Nachmärzliche Pädagogik. | 349 
ſelhaft erſcheinen , welcher nichts weiß von der Hegel'ſchen im- 
manenten Entwicklung des Begriffs. Nur daß er ſelber von 
dieſer Entwieklung nichts weiß oder wenigſtens nichts verſteht, 
hat er glänzend bewieſen, wenn er ſie ſo auffaßt: „als wären 
alle Beſtimmungen ſchon a priori vorhanden, lägen in einem 
gemeinſamen Grunde oder Gefäße noc< ungeordnet zuſammen, 
aus dem ſie blos herausgenommen zu werden brauchten, um ſie 
nach ihrer logiſ<en Nothwendigkeit, alſo (!) nam dem logiſchen 
Verhältniſſe der Ueber- und Unterordnung zuſammen zu ſtellen.“ 
So muß man es machen; zuerſt eine ſ<le<hte und falſche JInter- 
pretation geben und herna<m darüber ſchimpfen. Weiter nennt 
er einen 5. eine im Hegel'ſchen Sinne gemachte, aber verun- 
glückte Ueberſezung aus einem 8, einer andern pädagogiſchen 
Schrift. Alſo, wenn zufällig oder vielmehr natürlich, ein Autor 
einen allgemein anerfannten Satz aufnimmt mit etwas andern 
Worten, als ein anderer Autor, ſo muß das eine verunglückte 
Ueberſezung ſein, | 
Ferner wird aus Roſenkranz angeführt: „Die Erziehung 
iſt die ſelbſtbewußte Einwirkung eines Willens auf einen andern, 
ſiH in ihm nach einer beſtimmten Richtung hervorzubringen.“ 
Was gegen dieſen Satz, der höchſtens in der Conſtruktion an 
die Hegel'ſhe Schule erinnert, eingewendet werden kann, iſt 
ſchwer zu begreifen. Es iſt ſo klar, fo dur<aus erfahrungs- 
mäßig, daß man ihn eher trivial nennen könnte ; aber unſer 
Kritiker weiß auch dieſem Saß eins anzuhängen: „Das iſt aller- 
dings tief geſchöpft, daß das Waſſer des Begriffs trübe geworden 
iſt. Die Erzteher mögen ſelbſt prüfen, ob mit einer ſolchen 
Erklärung das eigentliche Weſen des pädagogiſ<en Geſchäfts 
getroffen iſt.“ Ueberhaupt iſt er ſehr freigebig mit den ſc<hon 
ſeit Jahren gegen die Hegel'ſ<e Philoſophie vorgebrachten 
Bettelmannsſprüchen. So ſagt er, der Verfaſſer meine „blos 
nöthig zu haben, der Forderung denke! zu folgen; um durch 
bloße geiſtige Anſtrengung, ganz ohne weiteres Zuthun der Er- 
fahrung oder ſ<on geſammelter Kenntniſſe alle möglichen beſon- 
dern Gedanken, alles einzelne Wiſſen aus ſi< zu erzeugen,“ 
Daß ein Hegelianer, an dem blos die Kategorien äußerlich 
hängen geblieben ſind, eine ſol<e oberflächliche Arbeit liefern
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.