Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

350 1, Abhandlungen. 
wird, das iſt natürlich. Glaubt nun der Verf., Roſenkranz 
habe ſich dieſes Fehlers ſchuldig gema<ht, nun ſo möge er uns 
beweiſen. Statt deſſen aber iſt er zum voraus davon überzeugt, 
blos deßwegen, weil jener der Hegel'ſ<en Meinung von der 
immanenten Bewegung des Begriffs zugethan iſt, Ferner über 
den Satz: das Weſen des Geiſtes iſt nur das wirklich zu ſein, 
als was er ſich für ſich hervorbringt , wird geurtheilt, dann ſei 
die Pädagogik eigentlich nicht nöthig. Cs iſt ſchwer zu entſchei- 
den, ob der Kritiker wirklic< gar keinen Begriff von der Hegel- 
ſ<en Philoſophie hat, oder ob er blos abſichtlih mißverſteht, 
um ſeinen malitiöſen Zwe> zu erreihen. Wenn dann der Kri- 
tifer , nachdem er ſeinen Pädagogen von Entfremdung und Hei- 
miſchwerden des Geiſtes hat ſprechen laſſen (Ausdrü>e, die auch 
außerhalb der Hegel*ſchen Schule gebrau<mt und dur<aus po- 
pulär ſind; bemerkt: „das ſei, als ob der Geiſt wie ein Hand- 
werksburſche in die Fremde ginge; ſo braucht man über ſol<hen 
ächt knotenhaften Witz nichts Weiteres zu ſagen, Ueberhaupt 
beſteht die Beurtheilung faſt nur darin, daß zuerſt ein dürftiger 
Auszug gegeben, und dann Grobheiten darauf geſeßt werden. 
Z. B. „So etwas kann man nur ſchreiben, wenn es mit der 
Logik und Pſychologie ſo wüſt ausſieht wie bei einem Hegelianer“ 
nebſt Anführung der bekannten Stelle von Mephiſto: „Im Gan- 
zen haltet eu) an Worte 2c.“' Ferner: „Nirgends erſchien uns 
die Hegel'ſc<e Philoſophie des ſubjektiven Geiſtes ſo bettelarm 
als gerade hier und es iſt keineswegs auf Rec<nung des mit 
Worten ſpielenden abſoluten Syſtems zu bringen, wenn ſich 
unter den folgenden einzelnen praktiſchen Regeln, cum grano Salis 
verſtanden, manc<e beherzigenswerthe finden.“ QCGEine größere 
Rabuliſterei läßt ſich nicht denken. Zuerſt wird behauptet, die 
Hegel'ſche Philoſophie conſtruire ohne alle Rü>ſicht auf Er- 
fahrung. Wenn dann denno< praktiſche Wahrheiten vorgebracht 
werden , ſo dürfen ſie nict auf Rechnung des abſoluten Syſtems 
kommen. Doch wir wollen, um mit dem Berf. zu reden, die 
Geduld des Leſers nicht zu ſehr foltern, ſondern fügen zu dem 
oben Erklärten nur no< Folgendes hinzu , worin wir uns erlau- 
ben die Geſihtspunkte anzugeben, von welchen aus ein Werk, 
wie das von Roſenkranz zu beurtheilen iſt, Er hat ſich die
	        

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