Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

Nachmärzliche Pädagogik. 351. 
allerdings ſchwierige Aufgabe geſtellt: eine Erfahrungswiſſenſchaft 
rein wiſſenſchaftlich oder ſpekulativ zu behandeln. Schon dieſes 
bietet einen Angriffspunft dar. Man kann die Anſicht haben, 
daß diejes überhaupt unmöglic< iſt, und von dieſer Seite aus 
allerdings der ganzen Hegel'ſ<hen Philoſophie, die dies in meh- 
reren Gebieten verſucht, gegenübertreten; aber nur müßte es mit 
Gründen geſchehen, und nicht mit bloßem Geſchrei über Ho<- 
muth, Unverſtand , Begriffsverwirrung u. ſ. f. =- Oder aber 
gibt man die Möglichkeit einer ſpekulativen Entwieklung zu, und 
ſteht nun das zu beurtheilende Syſtem darauf an, ob es von 
einem richtigen Principe ausgeht, und wenn ſo, ob es dieſes 
Princip nach logiſchen Geſetzen richtig entwiele. Aber , um dieſes 
thun zu können, muß man freilich ein Werk ſtudiren; und das 
iſt ſ<werer und mühſamer, als ein hohles und ungeſchlachtes 
Raiſonniren. Endlich bietet die Roſenkranz'ſ<e Behandlung 
der Pädagogik, wie überhaupt die Hegel'ſ<e Philoſophie noch 
eine Seite dar. Man kann nämlich allerdings die mißbilligende 
Bemerkung machen , daß eine Philoſophie , ohne ſogar ſelbſt daran 
Schuld zu ſein, außer ſofern ſie als ſol<e eine dem platten 
Verſtande unzugängliche Wiſſenſchaft iſt, vielfa< mißverſtanden 
und mißbraucht wird, daß ſie, oder vielmehr nicht ſie, ſondern 
ihr Zerrbild die Köpfe verwirre, und dadurc< auf dem Gebiete 
der Erfahrung und des praktiſchen Lebens einen ſchädlichen Ein- 
fluß übe, Und nun glauben wir auf einmal einen Boden be- 
treten zu haben, wo wir eine Zeit lang mit dem Berfaſſer Hand - 
in Hand gehen können, und wir laſſen es uns gefallen, wenn 
er von dem preußiſchen Staate ſagt: „Leider iſt ſeit vielen Jahren 
an ſeinem höhern und niedern Kulturzuſtande von der modernen 
idealiſtiſchen , namentlich von der Hegel'ſchen (ich möchte ſagent - 
hegeliſch ſein wollenden) Philoſophie um und herum kurirt wor- 
den. Nur damit kann ich nicht übereinſtimmen, wenn nun die 
Hände über dem Kopf zuſammengeſchlagen werden wegen der 
Berufung des Dr. Roſenkranz ins Unterrichtsminiſterium. 
Ueber das Umſichgreifen des HegelianiSmus in Preußen 
handelt nun ein eigener Abſchnitt unter dem Titel: „Wie ſind 
wir dazu gekommen ?“' in welchem ich, wie geſagt, in den meiſten 
Theilen mit dem Verf, einverſtanden bin, aber nur ſo lange er
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.