Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

352 1, Abhandlungen. 
hiſtoriſch referirt, um mic< dann wieder auf immer und princi- 
piell von ihm zu trennen, 
Der Berf., läßt es natürlich nicht gelten , daß ſich die He- 
gel'ſ<e Philoſophie als vollkommen berechtigtes Moment der 
Entwicklung des deutſchen Geiſtes bekundet habe, Und wenn ex 
auc< zugibt, daß das Beſtreben eines zuſammenfaſſenden Denkens 
leiht zum Pantheismus führe , ſo leidet ihm do< unſere Philo- 
ſophie zu ſehr an Evidenz, um hieraus ihr Ueberhandnehmen 
erflären zu können, vielmehr findet dieſes ſeinen beinahe aus- 
ſc<ließlihen Grund in der Begünſtigung des Miniſters von 
Altenſtein, „ſo entſchieden ſich au< der Staatsminiſter von 
Stein wiederholt dagegen erklärt hatte und ſo ſehr das ganze 
Treiben dem verewigten Könige zuwider war.“ Wie kam aber 
der „ſonſt um Hebung des Unterrichtsöweſens vielfa<m verdiente 
„Miniſter“ dazu ? „Er meinte, der preußiſche Staat als Staat 
der Intelligenz dürfe auf keine Weiſe den Einflüſſen der freien 
Wiſſenſchaft ſim entziehen. Zuglei<h aber könne der Staat der 
Hülfe der Kir<he no< weniger entbehren. Um beide Bedürfniſſe 
zu einigen, ſchien.nun Hegel der paſſendſte Mann, und wurde 
darum auf Solgers Empfehlung auf den Lehrſtuhl Fichte's 
berufen. Damit war der Sieg des Hegel'ſchen Syſtems in 
Preußen entſchieden, Unter dem Miniſter bildeten ſich ſc<nell die 
Schüler , um für Verbreitung der Sache in allen Gebieten thätig 
zu ſein. Aber noc< „eine beſondere Hoffnung ward von den 
Lenkern des preußiſchen Unterrichtsweſens geſeßt auf die Wirk- 
ſamkeit des Hegel'ſhen Syſtems in Beziehung auf das immer 
bedrohlicher werdende Drängen in Preußen nach konſtitutioneller 
Verfaſſung.“ Nachdem nun der Verf. no< die preußiſche Re- 
gierung entſchuldigt hat wegen des Zögerns mit der Erfüllung 
des Verſprechens vom Jahr 1815 , fährt er fort: „Unter ver- 
ſchiedenen vorgeſchlagenen Mitteln / wie den auf Univerſitäten 
eingeriſſenen Uebeln , beſtehend in dem politiſchen Hervordrängen 
einer Menge unbefugter JIndividualitäten und dem Abweichen 
von dem eigentlichen Studienzwee abzuhelfen ſei, ſchien nichts 
zweckmäßiger , als die Förderung einer Doktrin auf den preußi- 
ſchen Univerſitäten, und zwar einer philoſophiſch - ſpekulativen, 
welche die ſtudirende Jugend über die demagogiſche Träumerei
	        

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