Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

356 I. Abhandlungen. 
auch ihm glaube, wie der Berf,, daß die Hegel'ſ<he Philoſophie 
eine durc< und durch revolutionäre iſt, troß dem, daß in der- 
ſelben der preußiſche Staat als der ideale aufgefaßt wird, und 
trotz dem, daß ſie von unſern Altliberalen ſtets als Stabilitäts- 
ſyſtem verläſtert und verſpottet wurde. Sie iſt revolutionär in 
zwei Richtungen , einmal, weil in ihr jede andere Autorität, als 
die des Geiſtes, negirtz und zweitens, weil die Weltgeſchichte 
als die in dialektiſhem Fluſſe begriffene Selbſtoffenbarung jenes 
Geiſtes begriffen wird. Deßwegen iſt aber die Revolution nicht 
ein Werk der Hegel'ſhen Philoſophie, ſondern umgekehrt die 
H egel'ſ<e Philoſophie ein Werk der Revolution, Denn der 
Gang iſt nicht der, daß eine Philoſophie die Ideen macht; ſon- 
dern die Ideen ſind lebendig vorhanden in der Menſc<heit, in 
verſchiedenen Gebieten des Geiſtes. Nur in einem philoſophiſchen 
Syſtem ſind ſie am meiſten concentrirt, um dann von dieſem 
aus ſim wieder ſchöpferiſ< in die übrigen Gebiete zu ergießen 
und den vorhandenen Zündſtoff in Flammen zu ſetzen. Daß die 
Hegel'ſhe Philoſophie viele Mängel hat, und daß mit derſelben 
unverantwortliher Mißbrauc< getrieben worden iſt, wer wollte 
dies läugnen ? Aber das iſt no< bei jedem philoſophiſchen Syſtem 
von Bedeutung , das iſt bei dem Chriſtenthum ſelbſt vorgekommen. 
Der Grundwiderſpruc<h der Hegel'ſ<en Philoſophie beſteht darin, 
daß ſie na< ihrem Princip von der .immanenten Dialektik alle 
Erſc<heinungen des Geiſtes in einem Entwicklungsproceſſe erblicet 
und darſtellt, nun aber ſelber der Abſchluß dieſes Proceſſes ſein 
will z vielmehr gerade in ihrer Wahrheit hat ſie zuglei<h ihren 
Untergang, und weist durch ihr Princip über ſich ſelbſt hinaus. 
Dieſe Eitelkeit, eigentlih nicht blos der relativ lette, ſondern 
der abſchließende ſein zu wollen, bleibt an Hegel hängen, und 
dieſe Eitelkeit haben ſeine Schüler zum Theil zur Carricatur 
ausgebildetz aber darum erregt es doch ein Gefühl ſittlicher Ent- 
rüſtung , wenn ein angehender Philoſoph, der , wenn er dies iſt, 
ohne jene Philoſophie gar nicht ſein kann, in knabenhaftem Ueber- 
muth gegen den Meiſter und die, wel<e demſelben am nächſten 
ſtehen , losSzieht, und glaubt, durc< ſein vorlautes Geſchrei eine 
weltgeſchichtlihe Macht wie ein Talglicht ausblaſen zu können, 
Oder vielmehr , er glaubt das nicht, aber er hofft, durch ſein
	        

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