Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

358 I. Abhandlungen. 
liebe und kenne, liebe im das Alterthum , ſein Völkerleben , ſeine 
Bildung, ich will verſuchen, in dieſer Doppelliebe meiner Pflicht 
gegen mein Baterland zu genügen, will verſuchen, dem ernſt- 
mahnenden, drängenden Genius dieſer herrlich bewegten ſturm- 
voll wogenden Zeit Red' und Antwort zu ſtehen.“ 
Da nun der Verf. die Gymnaſtik nicht blos als die Grund- 
lage aller antiken Bildung anſieht, ſondern au<g von derſelben, 
wie wir ſpäter ſehen werden, einen ſehr umfaſſenden Begriff 
aufſtellt, ſo hält er ſih für berechtigt, in der Einleitung von 
dem Einfluſſe der antiken Bildung auf die germaniſche überhaupt 
zu reden. Das deutſche Volk iſt ihm dasjenige, das durc< die 
Kraft der eigenen urſprünglichen und ewigen Selbſtändigkeit 
hinausgedrängt wurde und wird zur bereichernden Aufnahme alles 
Fremden zu einer allgemein menſchheitlihen Selbſtvollendung, 
Dieſes Fremde war nun für den germaniſchen Volksſtamm dem 
Gang der Geſchichte gemäß das klaſſiſche Alterthum , mit welhem 
er zuerſt dur< die Eroberung der Römerwelt, dann durch die 
Herrſchaft der römiſch-katholiſhen Kirhe, dur< die Kreuzzüge, 
und beſonders durc< den beſtändigen Verkehr mit Italien in 
lebendige Berührung kam, Der Berf, gibt nun eine kurze Sfizze 
von der Pflege der Alterthumswiſſenſhaft na< ihren Mängeln 
und Entwiceklungösſtufen durc< das Mittelalter hindurch bis in die 
neuere Zeit, indem er mit warmer Zuneigung, zum Theil mit 
Begeiſterung bei den Verdienſten der Männer verweilt, die für 
den Fortſchritt mit Entſchiedenheit gewirkt haben. Bei der Neu- 
zeit angefommen, ſagt er endlich: „Aber dieſes vaterländiſche 
Werk iſt nichts weniger als vollendet, iſt no< im vollen Kampfe 
mit den Feinden aller wahren Volksbildung, alles Fortſchritts.“ 
Er klagt nun über das beſonders durc< die Leipziger Schule ver- 
breitete Beſtreben , alle Bekanntſ<aft mit dem klaſſiſchen Älter- 
thum in blos formeller Kenntniß der Sprache und Grammatik 
aufgehen zu laſſen, während von einer wirklihen Kenntniß des 
helleniſ<en und römiſchen Alterthums , ja nur von einem vollen 
allſeitigen Auffaſſen ſeiner Meiſterſchriften keine Rede ſeiz Klagen, 
welchen man leider vollkommen beiſtimmen muß, In der Ent- 
rüſtung über ſolhen kläglihen Zuſtand ruft er dann aus; „So 
iſt es eu< , ihr Miniſter , Studienräthe , Kirhenprälaten „ Kathe-
	        

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