Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

Nachmärzliche Pädagogik. 359 
bertyrannen , Gelehrtenpedanten und euren Knappen wohlge- 
lungen, das Alterthum und ſeine edle, menſchlihe, freie 
Bildung dem Volke , das nicht ſieht, wie es blos an eurem-bös- 
willigen Pfafſfengeiſte liegt, gründlich zu verleiden und aus dem 
Zeitbewußtſein zu entwurzeln.“ Dieſem heruntergefommenen 
Zuſtand der klaſſiſhen Bildung gegenüber nun haben ſich die 
gerechten Anforderungen des Realismus geltend gemac<t; und 
ſich ſomit der Saß beſtätigt, daß eine blos geſchic<htli<e Betrach- 
tung jenes bedingenden Einfluſſes das alterthümliche Entwiklungs- 
element der deutſchen Geſchichte nicht zu ſhüßen vermöge vor einer 
unheilvollen Verkümmerung, vor allmählihem Abſterben. Dies 
fordert den Verf, auf, dem ganzen reformatoriſchen Beſtreben 
unſerer Tage einen unerſchütterlich feſten ewigen Grund unter 
die Füße zu ſchaffen. 
Hiezu iſt es nothwendig, das Ideal und ſeine BVerwirk- 
lihungsgeſeße für den einzelnen Menſc<en näher zu beſtimmen. 
Der Verf. bahnt ſic<< nun durch eine philoſophiſche Auf- 
faſſung der Schöpfung als einer unendlichen Reihe von Bedingtem 
und Bedingendem, wel<he jedoc< in jedem Einzelnweſen zugleich 
vollendet iſt, den Weg zum Menſchen, „Indem im Menſchen 
das freibeſeelende , freigeſtaltende geiſtige Lebenselement aus ſeiner 
ſtarren ſtofflihen Erſcheinungsunmittelbarkeit und aus dem ein- 
tönigen Gebundenſein ins endli<h bedingte, endli< beſchränkte 
Materielle vollſtändig zu freiem Geiſtesleben entlaſſen iſt, beſitzt 
er die Kraft, nicht nur die äußere ihn umgebende und bedingende 
Welt, ſowie ſein eigenes ſinnlich erſcheinendes Daſein als Gegen- 
ſtand ſeiner Anſchauung, Empfindung und Willensthätigkeit er- 
kennend zu unterſcheiden und zu erfaſſen, ſondern auch der Idee 
Gottes und ſeiner reinen Freiheit und Geiſtigkeit, ſowie des 
Gedankens des Ewigen und Unendli<hen ſi<h zu bemächtigen.“ 
Dieſe Beſtimmtheit des Menſchen erzeugt nun den Kampf zwiſchen 
Natur und Geiſt, aber einen Kampf, der auf der Harmonie 
beider beruhend auch zum Siege führen kann und ſoll. Und 
wie dieſer Kampf in jedem einzelnen Menſchen vorkommt , ſo iſt 
auch die Geſchichte des. Menſchengeſchle<hts aufgefaßt als die 
Entwicklung dieſes Kampfes, welche in drei Hauptabſchnitte zer- 
fällt. „Die erſte Epoche iſt die der naturzuſtändlichen in kind- 
Pädag. Viertelſjahröſchrift. VU] 25
	        

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