Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

Nachmärzliehe Pädagogik. 361 
wart hat ſich ſeit dem fünfzehnten Jahrhundert das klare volle 
Bewußtſein über das Ideal der vollkommen freien Menſc<<heit 
erfämpft und arbeitet ſih ab an dem Verſuche einer Verwirk- 
lihung deſſelben,“ Nachdem nun der Verf. noc< ſeinen Unmuth 
über neue Verirrungen Luft gemacht hat, ſchließt er die Einleitung 
mit den Worten: „Es ſchwebt mir vor der Gedanke einer 
großen Nationalerziehung, einer äſthetiſchen Menſchheitserziehung, 
gegründet auf die antike Idee der Harmonie zwiſchen den natür- 
lichen und geiſtigen Lebensgrundlagen , einer Erziehung , die den 
Menſchen ganz erfaßt und emporhebt in die ideale Bollendung 
und Befreiung ſeines ganzen ungebrochenen göttlihen Daſeins, 
nach welchem er ſich ſehnt, Wohlan! ich will verſuchen, dieſem 
Gedanken Bild und Leben zu verleihen und ihn zu verkünden 
ineinem Volke!“ Dieſe Einleitung mußte weitläufiger behandelt 
werden, denn ſie bildet ein für ſich beſtehendes ſelbſtſtändiges 
Gänze und eröffnet einen tiefen Bli> in die philoſophiſche Auf- 
faſſung des menſchlihen Weſens und der Entwiälungsgeſchichte 
des menſchlichen Geſchle<ts, aber auch in das von Begeiſterung 
für alles Shöne, von kräftigem Streben für das Wohl des 
Bäterlandes, der Menſchheit erfüllte und darum von Schmerz 
und Hoffnung bewegte Gemüth des Berfaſſers. 
Die Oymnaſtik war dem Hellenen kein Begriff, ſondern uv- 
bewußte , aber nicht für ſich beſtehende , in ihrem Gebiete abge- 
grenzte, ſondern das ganze Volksleben umfaſſende und bedingende 
That. Der Verf, beſtimmt ſie „als die freie Kunſt, die von 
der Natur dem Menſchen verliehenen körperlichen Anlagen aus 
der Gewalt der rohen ungebändigten Naturkräfte und der blos 
inſtinktmäßigen Entwieklung zu befreien und zu veredeln, den 
geſammten OrganiSmus durch ſtetige naturgemäße Uebung zu 
einem Kunſterzeugniß des eignen freien Geiſtes zu vollenden und 
ihn dadurch mit ven Forderungen dieſes letzten zu verſöhnen.“ Dem 
Hellenen iſt ſie nun zwar eine durhaus unwillführliche unbewußte, 
eben einmal gäng und gäb gewordene naive Lebensthätigkeit, 
darum aber doch dem wirklichen Gehalte na< vollendet, 
Der erſte Abſchnitt nun umfaßt das was man gewöhnlich 
unter Turnerei oder Gymnaſtik verſteht, nämlich die kunſimäßige 
Ausbildung der körperlichen Kraft. Es iſt der kürzeſte des ganzen 
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