Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

Nachtttärzliche Pädagogik. 363 
worin der ganze Sinnenmenſ< aus der unfreien ſtofflichrohen, 
inſtinktartigen Natürlichkeit befreit, läuternd und veredelnd heraus- 
gebildet und emporgehoben wurde zu ſeiner wahren Weſenhaftig- 
feit, zur Freiheit und zum ſchönen edeln Ebenmaaße der ſinnigen 
Kunſt.“ Wie ſic< dies in der Erſcheinung offenbart, beſchreibt 
der Verf. in folgenden ſchönen Worten: Das Weſen der Gym- 
naſtik iſt „das willige Beherrſchtwerden , das reinſte Durc<quollen- 
ſein, die läuterndſte Verſittlichung des natürlichen Organismus 
durch die ſinnlich-vollendende , äſthetiſch-verſöhnende und ſittlich- 
beſeelende Kraft des freien bewußten mit der Natur harmoniſchen 
Geiſtes. Sicher und ſchwebend iſt ſein Gang , ſeine Haltung zeigt 
nichts Herausforderndes , ſondern in edler mit männnlicher Ent- 
ſchiedenheit gepaarter Ruhe wandelt er beſcheiden und einfältig 
von dannen; über ſeine kräftige Geſtalt, die ſ<on in der durch- 
ſottenen ſammtnen ſchimmernden Haut den Gluthhau< inneren 
Lebens und Webens ſeelenhaft veräth, iſt das Schöne, Freie, 
Sittige mild ergoſſen, und der ebenmäßige Rhythmus des be- 
wußtvollen Geiſtes durchzittert ihren Bau bis in die unſcheinbarſte 
Linie und ſtimmt ihre Bewegungen zu einem harmoniſchen die 
Herrlichkeit der Natur preiſenden Akforde,“' 
Um aber die ästhetiſche Harmonie zu vollenden, muß zur 
Gymnaſtik ein zweites Moment hinzukommen, Während nämlich 
im lebloſen Kunſtwerk Kunſtſchöpfung und Kunſtdarſtellung zu- 
ſammenfallen , darum aber auch über daſſelbe ein geheimes weh- 
müthig-ſtummes Trauern ergoſſen iſtz ſo drängt es den durch 
die Gymnaſtik künſtleriſch umgeſchaffenen Körper in freudigem 
Leben ſic< auch künſtleriſch darzuſtellen und dieſe Kunſtdarſtellung 
des Menſchen vollzieht ſi) in einem Agon, einem Wettkampf 
und gebiert aus ſi< eine ausgebildete auf der Gymnaſtik be- 
ruhende Agoniſtik; und dadurc< hat auch die helleniſche Gymnaſtik 
auf den Inhalt jenes großen allgemeinen Lebensagons einen 
entſcheidenden Einfluß im Intereſſe des wahren vollendeten 
Menſc<henthums ausgeübt. 
Das erſte Gebiet der gymnaſtiſch-agoniſtiſchen Kunſtdarſtel- 
lung ſind die Spiele, Zur Einleitung handelt der Verf, vom 
Weſen des Spiels überhaupt, von deſſen Mängeln und BVerir- 
rungen und wie ſich däſſelbe nac< den verſchiedenen Culturſtüfen
	        

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