Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

364 - 1. Abhandlungen. 
verſchieden geſtaltet und eben darum auch zur Charakteriſtif eines 
Volkes dient. Sodann werden die wichtigſten Spiele der Hellenen 
kurz aufgeführt. An die Spiele ſchließen ſich an als der eigent- 
lime Boden, wo dieſe und überhaupt die Gymnaſtik ſich am 
freieſten entfalten konnte, die Volksfeſte, 
„Alle Volksfeſte gehen urſprüngli< aus von ſinnlicher Kunſt- 
darſtellung des Menſchen, von irgend einer ihrer mannigfaltigen 
agoniſtiſc<hen Bildungen und ſind zugleich, wo ſie wirkliche Volks- 
feſte ſein wollen, religivs.“ Nachdem nun nachgewieſen iſt, auf 
welche Art ſich überhaupt das Gottesbewußtſein im Menſchen 
entwidelt, heißt es zum Beweiſe jener Behauptung: „Ein wirk- 
li<es Volksfeſt muß, da es die ganze Nation in grundsmäßiger 
allſeitiger Harmonie und Einheit umfaſſen ſoll, die Seele des 
Volksthums, die jeden dur<webt, in ihrer vollen, reinen ewigen 
Weſenhaftigkeit und Entfaltung in blühenden Nahmen faſſen und 
als li<tvolles umkränztes Bild darbieten der Nation z dies kann 
es nur auf dem reinen ſtrahlenreichen Spiegelgrunde der Religion, 
indem es das ganze Volksthum darſtellt als ruhend und webend 
in Gott, als Blüthenentfaltung des in Gott hinausverlegten und 
in ihm als Gottesprinzip ideal angeſchauten Lebensprinzipes.“ 
Ferner; zu einem wahren Bolksfeſte wird eine dreifa<he Harmonie 
zwiſchen Sinnlihem und Geiſtigem gefordert! „Die Harmonie 
der ſinnlichen und religiöſen Feſtentfaltung , ſodann die Harmonie 
der ſinnli<- und religivsthätigen Feſtmenge und endlich die Har- 
monie des ſinnli<- und religidsauffaſſenden Volkes,“ Dies ent- 
hält nun die Bedingungen, unter welchen überhaupt ein Volk 
Feſte beſigen kann und nach dieſen geſtaltete ſich das helleniſche 
Feſtlebenz und nun ſchildert uns der Verf. mit feiner Begeiſterung 
„den Weihefrühling der in den helleniſchen Gymnaſien erſproßte, 
von deren Stufen die Marmorbilder der Gottheit hernieder- 
ſtrahlten aufs lachende edle Jugendleben.“ 
Ihre eigentlich praktiſche Anwendung findet die Gymnaſtik 
im Kriege; aber bei den Hellenen iſt auch dieſe Thätigkeit Kunſt 
im höhern Sinne; die Gymnaſtik „erhob den Krieg zu einer 
ſchönen freien Darſtellung der ſinnlihen Staats- und Volkskraft 
unter der Regel der Kunſt in ernſtem aber durchaus künſtleriſch- 
gymnaſtiſhem Wettkampf.“ Dieſes Verdienſt gebührt hauptſäch- 
z*
	        

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