Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

34 I.. Abhandlungen. 
Welche Mittel hat denn der naturgeſchichtli<he Unterricht, 
um den wichtigen Zweek des Beobachtenlernens , die Klarheit und 
-Sicherheit der Anſchauung zu erreichen, und welchen Boden findet 
gerade dieſer Unterricht bei dem jugendlichen Alter vor ? 
Die Friſche und Bildungsfähigkeit der Sinne, der Organe 
der Anſchauung, wie ſie ſich bei dem jugendlichen Alter vor- 
findet , die Offenheit, Unbefangenheit und Wißbegierde, mit der 
das Kind bei ſonſt noch geringem Selbſtbewußtſein die Sinnen- 
welt und beſonders die lebendigen Naturdinge: die munteren 
Thiere , die farbenprangenden friſchen Pflanzen erfaßt und durch 
tauſend Fragen darüber Aufſchluß begehrt; dies ſind gerade die 
rechten Bedingungen, wodurch -- iſt nur die pädagogiſche Füh- 
rung die geeignete =- das Ziel, die Befähigung des S<hü- 
lers für eine klare Anſchauung, erreicht werden kann, 
Das Material, die natürlichen Gegenſtände ſind 
nun das nächſte Erforderniß , wodur< das Sehenlernen 
methodiſ<h erworben wird. Und es handelt ſich dann weiter um 
die Methode, wie dies Material zwe>mäßig zu benutzen iſt, 
Dabei gilt vor Allem der Saß: „Nicht zuviel auf ein- 
mal!“ Wenn der jugendliche Sinn Etwas genau erfaſſen ſoll, 
ſo wird eine Vielheit von Einzelgegenſtänden, die ſeine Auf- 
merkſamkeit zugleich erregen könnten, hö<ſt nachtheilig und 
zwe>widrig wirken. Im frühſten Alter verſchone man die 
Jugend überhaupt mit einer allſeitigeren und ſtrengeren -- denn 
das iſt alle methodiſche -- Anleitung zum Beobachten be- 
ſtimmter einzelner Naturobjekte. Auf Spaziergängen -- und 
das geht unſtreitig mehr die Erziehung in der Familie an -- 
laſſe man erſt den jugendlihen Sinn ſich ſelbſt an den Dingen 
zure<t finden , man laſſe ihn eigenes Material ſammeln, Man 
beantworte ſeine abgebrochenen Fragen kurz, aber gewiſſenhaft - 
und ohne Mährcenhaftigkeit, damit ſich Gebiete nicht von früh- 
auf verwirren , die ihren Beſtand neben einander haben , die 
ſim aber nicht ungeſtraft dur< einander gießen laſſen, == 
Mit methodiſchem Unterriht an einzelnen Natur- 
objekten, wie er in die Schule gehört, beginne man nicht 
vor dem zehnten oder elften Jahre z denn dazu bedarf es 
ſc<on einer gewiſſen Reife der Urtheilskraft,
	        

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