Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

Nachmärzliche Pädagogik. 365 
lich dem doriſchen Stamme. Dieſer hatte allerwärts gymnaſtiſche 
Kriegsſpiele , namentlic<) aber war jene Vermittlung offen erſicht- 
lim und maßgebend in einer beſondern Art kriegeriſcher Or<eſtik. 
Die Haupteigenſhaft des doriſ<hen Sclactkörpers iſt ſtrenge 
Verbrüderung und Einheit; eine zweite Eigenſchaft, daß der 
ganze Organismus jeden Kämpfer zum willigſten Gehokſam 
nöthigte und zugleih zum Befehlenden machte. Im Kampfe 
ſelbſt herrſchte das ruhigſte, ſtrengſte Maaß; dex Kampf war 
ein Kunſtagon zu reiner harmoniſcher Darſtellung des Einen 
Heerkörpers , worin es weder auf Vernichtung des Gegners 
no< auf Beute, no< ſonſt auf irgend eine ſelbſtiſche Befriedi- 
gung abgeſehen war , ſondern rein nur auf die bloße Siegsent- 
ſcheidung als auf das nothwendige Mittel jener Kunſtdarſtellung, 
--- Darum erwies ſich aber auch das ganze ächthelleniſ<e Kriegs- 
leben als ein feſtlihkräftiges Turnerleben und als eine reelle edle 
Blüthe der gymnaſtiſ<en Lebensweiſe z; mit dem BVerfalle der 
Gymnaſtif kamen ſtehende Süldnerheere auf und war eben damit 
auch gleichzeitig die Kraft und Freiheit von Hellas gebrochen. 
Aber auc< die helleniſ<e Gymnaſtik trug, eben weil ſie 
eine unbewußte Harmonie von Natur und Geiſt war, den Keim 
des Zerfalls und der Auflöſung in ſi<; der erſte Schritt hiezu 
geſhah dadur< , daß das Sinnliche der Gymnaſtik zu einſeitig 
ausgebildet wurde und daß ſomit an ihre Stelle die Athletik trat, 
welche nun ſtatt des Pentathlon das Pantathlon, den Allkampf 
einführte, -- Und nun bliet der Berf, no<h einmal zurüd auf den 
großen gemeinſamen Lebenswettkampf und deſſen Sieg, wie ihn die 
GOymnaſtif der alten Zeiten und wie ihn jede Gymnaſtif in die 
Bruſt des Menſchen pflanzt und darin hegt. Beſonders wird 
no< geſprohen von dem Einfluß der Gymnaſtik auf die poli- 
tiſche Geſtaltung des Hellenenvolkes. Da nämlich dieſe dahin . 
wirkt, daß ſich das geiſtige Volksthum mit den natürlichen örtlichen 
ſowohl als innerlich leiblichen Grundlagen ſeines Daſeins ſättigt 
und abſchließt und verwächst, ſo beförderte ſie äußerlich gewiſſer- 
maßen den Partikulari8Smus des Hellenen. Da aber die Gymnaſtik 
zuglei< auf das Jdealmenſchliche gerichtet war , ſo wurde ſie da- 
durch wiederum national z als der veredelnde und befruchtende Ge- 
nius des großen allgeſtaltenden gemeinſamen Hellenenwettfampfes.
	        

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