Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

366 1. Abhandlungen. 
Ehe nun der Verf, zur Darſtellung des Einfluſſes der 
Gymnaſtik auf die antike Erziehung übergeht, bemüht er ſich 
abermals im Sinne der erſten Einleitung die Beſtimmung des 
Menſc<en in einem Jdeal aufzuſtellen, welches zuglei< das 
Ziel der Erziehung ſein muß. „Der Menſc< bildet ſich von 
ſeinem natürlichen Weſen und Weben eine feſte klare bewußte 
Norm und erhebt das unfreie unbewußte Naturgeſetz ſeines 
Leibens und Lebens zu ſeinem bewußt und frei gehandhabten 
Sittengeſeze ; nach dieſem letzteren erhält, befriedigt und ſchafft 
er ſeinen Leib auf eine dem Weſen und der Würde des Geiſles 
entſprehende und verſöhnte maaß- und formvolle Weiſe und 
durchgeiſtigt , dur<läutert und durc<hſeelt ihn mit dem Weſen 
des Geiſtes ſelbſt, ſo daß auch dieſer in ſeiner unendlichen Frei- 
heit und ſeiner reinen einfah-Fräftigen göttlichen Lebens- und 
Lichtfülle ſich von der erſcheinungsfkräftigen , daſeinsfreudigen und 
geſtaltenreichen Sinnlichkeit geſättigt und getragen fühlt und 
darinnen ſich ganz herauslebt in die der göttlihen Offenbarung 
bedürftige endliche Erſcheinungswelt ,/“' darin liegt nun auch die 
Aufgabe und das Geſetz der Erziehung des Menſchen überhaupt 
und nac< dem Allem kann nur ein gymnaſtiſc<es Volk eine wahre 
menſc<heitliche Erziehung beſißen, 
Wie haben nun die alten Hellenen die Möglichkeit zur Wirk- 
li<feit entwidelt ? 
Vor Allem iſt eine politiſche Eigenthümlichkeit der helleniſchen 
Welt ins Auge zu faſſen: daß nämlich die helleniſ<he Gemeinde 
ſim ihre nothwendigſten natürlichen Grundlagen, mit extremer 
verwerflicher Folgerichtigkeit an ihrem gymnaſtiſ<en Lebensprin- 
zipe feſthaltend , in ihren Sklaven und zinspflichtigen Landſaſſen 
und Pächtern ſ<uf. Dadurc< wurde es ihr möglich ſic< ganz auf 
. die Erziehung zu werfen und zwar eine ſol<he, die nicht zu 
einer einzelnen Berufsthätigkeit befähigen ſollte, ſondern als 
zwekfreie ideale Kunſtſchöpfung den ganzen vollen Menſchen er- 
faßte. So war das Leben des Hellenen nac< unſern Begriffen 
ein fortgeſetzter Müſſiggang: Tänze , Feſtlichkeiten, Gaſtmahle, 
Jagd, Gymnaſtik, Geſpräche in den öffentlichen Unterhaltungs- 
hallen füllten ihre Zeit aus, wenn ſie nicht im Felde lagen. 
Dennoc< hat der Hellene -das ideale Endziel der äſthetiſchen Er-
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.