Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

Nachmärzliche Pädagogik. 367 
ziehung nicht vollſtändig gewonnen , weil ſeine Erziehung in der 
unfreien naturzuſtändlihen Harmonie zwiſchen Geiſt und Körper 
wurzelte, Der Geiſt aber ſoll frei und bewußt der Natur gegen- 
übertreten und dieſe zu ſim erheben. Darum löst ſi< das 
Hellenenthum auf in dem Kampf des Chriſtenthums. 
Die helleniſche Erziehung war eben durc< das gymnaſtiſche 
Element nicht eine beſondere Thätigkeit , ſondern die Entfaltung 
des Lebens und darum eine allen freien Staatsbürgern öffent- 
lih und gleichmäßig gemeinſame, und dauerte von der Wiege 
bis zum Grabe, ſofern der ächtantike Staat ſich eben nur in 
ihr darſtellte und erfüllte. Als Muſter dieſes Staates nun wird 
das doriſche Sparta hingeſtellt. Die erziehende Thätigkeit be- 
ginnt ſchon vor der Geburt durc< den Einfluß auf dieſelbe , in- 
dem der Staat für geſunde Ehen ſorgte , namentlich auc< durch 
die körperlihe Bildung des weiblichen Geſchlehts. War dann 
der Menſch geboren, ſo nahm ſich ſeiner ſo bald als möglich 
der erziehende Staat an. Nun weist der Verf. im Einzelnen 
nac<, wie ſich dieſe erziehende Thätigkeit an die Gymnaſtik an- 
ſchließend geſtaltete , namentlic< in der Pflege des Körpers durch 
Speiſe und Trank, Kleidung u, ſ. w.; das geiſtige Band aber, 
welches den ganzen erziehenden GemeindeorganisSmus umſchlang, 
war die ächtmenſchlihe edle Liebe zwiſchen Erziehenden und 
Zöglingen (hier wird namentlich auch der Knabenliebe gedacht 
und die höhere Bedeutung derſelben angegeben) und der Zöglinge 
untereinander. 
An die gymnaſtiſche Bildung ſchließt ſich an die muſiſche z 
au<ß ſie in allen ihren Erſcheinungen von dem gymnaſtiſchen 
Elemente dur<drungen , überall ſinnlihe Sättigung und Kräfti- 
gung des Geiſtes! Dieſes wird zuerſt gezeigt an der Muſif, 
welche ihre ſinnlihe Grundlage in der Or<eſtif, ihre geiſtige 
in der Poeſie hatte, Die Poeſie aber hatte ihre Quelle in der, 
beſonders von der doriſchen Erziehung gepflegten, Gefühls-, 
Gedanken- und Redeſchule, Alle Aeußerungen des inneren Geiſter- 
lebens verloren die breite Seichtigkeit und den loſen Flitter der 
umſtändli< genauen Beſchreibung und der behaglich redſeligen 
Erzählung. Darum tritt au< das Epos der Jonier im eigent- 
lißen Hellas faſt ganz zurü& gegen die doriſche Lyrik und gegen
	        

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