Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

3638 1. Abhandlungen. 
die aus dieſer erwachſenen dramatiſchen Dichtung. =- Hier ſcheint 
mir doch der Berf, in ſeiner Vorliebe für den DoriSmus etwas 
ungere<t zu werden, nämlich eben gegen das joniſche. Epos, 
gegen Homer. Denn gerade in dieſem Epos finden wir die 
Keime der ganzen äſtthetiſhen Weltanſchauung der Hellenen, 
jene Art dex Darſtellung, die, weit entfernt von zerfahrenem 
Weſen, in warmer greifbarer Körperlichkeit uns gegenübertritt, 
ſo daß ein fünſtleriſ<; erfaßter und dargeſtellter Moment den 
größten Plaſtiker zu ſeinem größten Kunſtwerke begeiſtern konnte, 
Darum iſt aber auch Homer von ſeinem Volke, dem er durc<h 
und dur< angehört, die vollſte Anerkennung zu Theil geworden 
und ſeine Dichtungen haben ſtets ein weſentliches Clement der 
helleniſchen Erziehung , namentlih auc< durc< Lykurg's Ber- 
dienſte , in dem doriſchen Sparta ausgemacht. 
Endlich übt die Gymnaſtik der Hellenen ihren Einfluß auf 
das höchſte Gebiet der muſiſchen Bildung , auf die Philoſophie, 
welche Plato die höchſte, reinſte, idealſte Vollendung der Muſik 
nennt. Durch die Gymnaſtik nämlich wird der Geiſt von früheſter 
Jugend an zu ſelbſtſ<höpferiſhem Walten und Erfaſſen und 
Bilden angeregt und erzogen und ihm damit auc< in der Welt 
des Erkennens die Richtung auf ſich ſelbſt gegeben. Das iſt 
auch der Charakter der auf die joniſch-aſiatiſc<e kindlichnaiv an 
der äußern Erſcheinungswelt ſich verſuchende Philoſophie folgende 
Pythagoreiſ<he mit ihrem ſittenbildneriſ<hen idealmenſc<hlichen 
Lebensnerv; an wel<he Richtung Sokrates und ſeine Schüler 
ſich anſchloſſen. 
So treten uns die zwei Haupteigenſchaften der harmoniſchen 
Allſeitigkeit und edelreinen Einfachheit in Spiel, Gymnaſtik, 
Orcheſtik , Muſik , Poeſie, Knabenliebe und Philoſophie entgegen 
und damit iſt die ganze lebensvolle und harmoniſche Welt der 
gymnaſtiſchen und muſiſchen Bildung abgeſchloſſen 3; aber in ihrer 
Spitze, in der Philoſophie , als dem Erfaſſen des Geiſtes in 
ſeiner Freiheit und Bewußtheit lag auch die Auflöſung des 'kind- 
lihnaiven helleniſchen Lebens und nun erſt erſchließen ſich nach 
einander die Gebiete der Wiſſenſchaft. 
Zum Scluß handelt der Verf. vom Einfluß der helleniſchen 
Gymnaſtik auf Kunſt und Religion.
	        

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