Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

370 1. Abhandlungen. 
die menſchlichen ſeines eigenen Weſens und Lebens, ſondern ſelbſt 
die Lebenseinrihtungen und Bedürfniſſe und geſchichtlihen Er- 
lebniſſe legte der Hellene vorbildlich-ideal in ſeine Götterwelt 
hinaus,“ Dieſes zeigt ſih nun auc< in der Entwicklung der 
griehiſ<hen Religion von den no< morgenländiſch geformten 
ungeheuerlichen Naturgöttern bis zur höchſten idealen Verklärung 
im Apollodienſte. Aber gerade in der Religion lag der Keim 
des Untergangs für das Hellenenthum. Denn in ihr lag die 
Ahnung von Gottes wahrem Weſen, welc<he zur Selbſtauflöſung 
im Chriſtenthume führte. 
Der Verf. hat hiemit ſeine Aufgabe vollendet, die Gym- 
naſtik der Hellenen in ihrem Cinfluß auf das ganze Alterthum 
darzuſtellen und damit eine äſthetiſche Nationalerziehung zu be- 
gründen. Die Bedeutung für die deutſc<e Gegenwart hat er in 
der Einleitung blos angedeutet, läßt aber zum Schluſſe hoffen, 
daß er dieſe in einer eigenen Scrift in ihren für die Gegen- 
wart unmittelbar praktiſchen Bezügen entwiekkeln werde. Cs ſollte 
mich freuen, wenn dieſe Beurtheilung oder vielmehr Mittheilung 
ſeiner erſten Schrift ihn zu der zweiten mit aufmuntern würde, 
Freilich ſonſt bieten unſre Verhältniſſe wenig Aufmunterung dar 
in einer Zeit, wo die Grundbedingungen einer äſthetiſ<en Na- 
tionalerziehung dem Volksleben na< einander wieder entzogen 
werden. Aber man wird von der friſchen Begeiſterung des 
Verfaſſers, die in dem ſoliden, geſ<hmadbildenden Grunde des 
klaſſiſhen Alterthums und nicht in dem geſc<hmadverderbenden 
phantaſtiſcher Deutſchthümelei ruht, unwillkührlic< in eine hoff- 
nungsvolle Stimmung hineingeriſſen; in eine Stimmung, in 
welcher der Verf. am Anfange ſeines Werkes uns Worte des 
Glaubens an die Auferſtehung des deutſchen Geiſtes zuruft, mit 
denen wir nun ſchließen wollen: „ich ſage dies in einer Zeit, 
da man des Deutſchen im Auslande ſpottet, da mein Vaterland 
verachtet werden will, da ſelbſt verirrte Kinder des Hauſes ſich 
ſeiner ſ<ämen wollen, freilich es, das ſie alle liebend am Herzen 
trug, an dem ſie alle groß und ſtark geworden, vor dem einſtens 
die Könige der Erde all ihre Scepter demüthig huldigend ſenkten, 
das groß und herrlih und glücklich war und no< ſein wird, 
dieſes haben ſie nun verlaſſen in den trüben Tagen des Unglüds
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.