Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

II. Bücherſchau. 
Gaiden amian 
Neues deutſch-franzöſiſches Geſpräc<hbuch zum Schul- 
gebrauch bearbeitet von Dr. Emil Otto, Stuttgart. Berlag 
von Ebner & Seubert, 1850, 7 Bog, geh. 27 kr, od. 9 Sgr. 
Seit einer Reibe von Jahren vermehrt fich die Anzahl der franzöſi- 
ſchen Lehrbücher auf eine erſtaunliche Weiſe. Recenſent beklagt dies nicht, 
denn er ſieht darin ein reges Streben und Arbeiten vieler Kräfte auf einem 
Gebiete, worauf in der That noch viel zu thun Übrig iſt, Das Leichte 
und Unbrauchbare geht in ver großen Maſſe wieder unter, das Gute erhält 
ſich , bricht ſich Bahn und bildet durch Anwendung und Erfahrung geläutert 
die Stufe für das Beſſere. 
Faſſen wir indeſſen die lange Reihe franzöſiſcher Elementarbücher, 
Chreftomathien , Grammatiken u. ſ. w. näher in's Auge , ſo ſind weitaus 
die meiſten vorzugsweiſe für den formalen Lehrzwe> berechnet, wenn auch 
das Eine over Andere der praktiſchen Seite mehr oder weniger Rechnung 
trägt. So unabweisbar aber auch die Forderung einer vorherrſchend for- 
malen Behandlung des Sprachunterrichts in öffentlichen Lehranſtalten iſt, 
ſo muß gleichwohl zugegeben werden, daß ver praktiſche Zwe> beim Er- 
lernen einer lebenden Sprache für die meiſten jungen Leute vas leßte Ziel bleibt, 
Daß dieſes Ziel bis jeßt von unſern Schulen noch nicht erreicht wurde, 
ift bekannt ; vaß ſie es vorausſichtlich nie vollſtändig erſtreben werden, ſcheint 
gewiß; daß aber gleichwohl auch die öffentlihen Schulen dieſem Ziele noh 
näher kommen müſſen, als dies bisher der Fall war, iſt eben ſo wahr als nöthig. 
Das zwe>mäßigſte Mittel, die Schüler zum leichten Verſtehen und 
Sprechen des Franzöſiſchen zu bringen, wäre freilich der Umgang mit Fran- 
zoſen oder mit Perſonen, welche nur in dieſer Sprache reveten. Weil dies 
aber aus nahe liegenden Gründen den Wenigſten möglich iſt, ſo muß der 
Lehrer ſeine Zöglinge häufig und wo möglich täglich dur< unmittelbare 
Sprechübungen, ohne Rüſicht auf ein grammatiſches Syſtem , in vie Um- 
gangsſprache einführen , wobei derjenige Weg der beſte iſt, der den im 
lebendigen Verkehre ſtatt finvenven Gang am treuſten nachahmt. Für ſol<e 
Uebungen bietet das genannte Büchlein Stoff, und ob es in dieſer Hinſicht 
empfehlenswerth ſei, ſoll nun näher geprüft werden. 
Sollen unmittelbare Sprechübungen getrieben werden, ſo ftellt 
fich auch ſofort vas Bevürfniß eines geeigneten Hülfsbuches ein, ohne
	        

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