Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

11, Bücherſchau. 373 
welches ſelbſt ein tüchtiger Lehrer nur wenig erreichen wird. Nun fehlt 
es zwar keineswegs an franzöſiſchen Geſprächbüchernz allein ſie find nicht 
für Kinder berechnet und ihr Jnhalt iſt varum meiſtens für dieſe unver- 
ſtändlich over dvoc< langweilig; überdies beobachten fie keinen elementaren 
Stufengang und blüirden dem Anfänger dadurch eine Laft auf, die ſeine 
Kräfte überſteigt. Ohne gehörige Berüdfichtigung des Stoffes und der 
Methove iſt aber ein Lehrbuch für Kinder vurchaus unbrauchbar. 
Faſſen wir nun das „Neue Geſprächbuch“ feſter in's Auge , ſo 
finden wir bei näherer Prüfung ſeines Jnhaltes, daß der Verfaſſer ſein 
Publikum unverrüft im Auge behalten und nichts aufgenommen hat, was 
nicht wirklich innerhalb des Lebenskreiſes ver Jugend liegt. Jede Uebung 
gibt Zeugniß dafür, vaß er die Kinder , ihre Bedürfniſſe und Liebhabereien 
kennt. So wenig er über den Horizont der Schüler hinausgreift , ſo ferne 
bleibt er einem kindiſhen Geplauder. Der Znhalt der Unterhaltungen iſt 
ſtets faßlich , belehrend und anziehend, 
Wenden wir unfer& Aufmerkſamkeit vorerſt auf die in .dem Büchlein 
angewendete Methove , ſo kann natürlich von verſelben hier nur in ſoweit die 
Rede ſein, als darunter die Reihenfolge der einzelnen Uebungen zu verſtehen iſt. 
Dieſe Stufenfolge der verſchiedenen Uebungen nun, ſo wie die ganze- 
Anordnung ves reichhaltigen Lehrſtoffs , entſpricht vollſtändig den Forde- 
rungen einer zwe>mäßigen Methode. Der Verf. gibt 1. in 34 Nummern 
die unentbehrlichſten Wörter für die Umgangsſprache , Il. eine ziemliche An- 
zahl einfacher , unzuſammenhängender Säßchen; 111. in 29 Nummern die 
gebräuchlichſten Redensarten (nach Art von Lemaire's Mentor, Courſier's 
und Fring's Sammlungen); I1V. leichte Unterhaltungen in 44 Nummern 
und dann erſt V. eine Reihe jugendliher Geſpräche. Man ſieht, der Verf, 
fällt nicht mit ver Thüre in's Hausz er weiß vorzubereiten, anzubahnen 
und ſo wird der Erfolg nicht fehlen. Ferner führt er in Y1. eine ziemlich 
reichhaltige Sammlung „Sprichwörtlicher Redensarten“ auf und ſchließt 
VII, mit einigen dramatiſchen Scenen (ebenfalls aus dem Bereiche des 
Jugendlebens) , betitelt : „Die Vertheilung der Rollen.“ 
Wie auch bei einem ſchwachen Lehrbuche in der Hand eines tüchtigen 
Lehrers etwas Gutes geleiſtet werden kann, ſo bleibt umgekehrt ein ſonß 
noc< ſo trefflich ausgearbeitetes Schulbuch öhne ven erwünſchten Erfolg, 
wenn nicht eine erfahrene Hand dabei leitend und berathend zur Seite geht. 
Es wird daher auch bei dieſem nach Stoff und Anlage gewiß ſehr 
empfehlenswerthen Büchlein nom immer darauf ankommen, was der be- 
treffende Lehrer daraus zu machen weiß. Würde derſelbe ſämmtliche Par- 
thien etwa nur als Stoff zu Memorirübungen behandeln und Nummer für 
Nummer auswendig lernen laſſen, ſo wäre Exmattung und Widerwillen 
von Seiten der Schüler das ſichere Reſultat. Recenſent denkt ſich eine 
zwe>mäßige Behandlung ves Geſprächbuches etwa auf folgenve Art: 
Sobald der Schüler einige Fertigkeit im Leſen des Franzöſiſchen er- 
reicht hat, kann mit dem Memoriren der in der 1. Abtheilung Fathaltenen 
Vokabeln der Anfang gemacht werden. Am Ende einer franzöſiſchen Lection,
	        

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