Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

384 111. Berichte. 
Der Unterricht beginnt alſo mit ver dem Schüler von Klein auf ge- 
läufigen Anſchauung , daß er in der Mitte ver rings vom Himmel begränz- 
ten Erdoberfläche ſtehe. Es wird ihm nur ſoviel an dieſer Anſchauung be- 
richtigt, daß er die Berge und Thäler auch in Gedanken entfernen lernt, 
daß er in Gedanken oder in der Wirklichkeit auf verſchiedene Höhen geführt, 
auf eine Ebene geſtellt und ſo in der Anficht befeſtigt wird, daß vie Erdober- 
fläche eine kreisrunde ebene Fläche ſei, über der das blaue Himmelsgewölbe 
als hohle Halbkugel aufftebt. 
Dieſe Scheibe wird nach den 4 Weltgegenden eingetheilt und am 
Himmelsgewölbe werden zum Behuf der beſſern Auffaſſung ebenfalls Punkte 
und Linien gedacht. Senkrecht über dem Scheitel oder über dem Standort 
ver Scheitelpunkt ; da, wo die Verlängerung der Schattenlinie um Mittag 
den Himmel (den Horizont) trifft, der Nordpunkt; dieſem gegenüber, d. h. 
am Ende der Verlängerung der Linie vom Nordpunkt durch den Standort 
der Südpunkt. An den beiden Endpunkten der Linie, welche die ebengedachte 
Linie im Standort unter rechten Winkeln ſchneidet , der Oſtpunkt und der 
Wefſtpunkt. Ueber dieſen 2 geraden Linien, wel<e einander im Standort 
unter rechten Winkeln ſchneiden, können auch 2 große Kreisbögen am Him- 
melsgewölbe gezogen werden , welche einander im Scheitelpunkt ſchneiden. 
Dieſe Kreisbögen heißen der von Nord nach Süd der Meridian und der 
von Oſt nach Weſt vie Scheitellinie. 
Dieſe Eintheilung des Himmelsgewölbs kann an der vorgewieſenen 
Scheibe in verjüngter Darſtellung veranſchaulicht werden. (Die kreisrunde 
hölzerne Scheibe, etwa 7'' im Durchmeſſer, ruht nur zum Behuf des Ge- 
brauchs auf einem Fuß; in der Mitte iſt .fie von 2 einander ſenkrecht 
ſchneidenden Furchen durchſchnitten , durch deren eine ein als Are drehbarer 
cylinderförmiger eiſerner Stab gelegt iſt, eine Axe, an deren Ende ein die 
Scheibe umfaſſender Drabtring feſt eingefügt iſt. Dieſer Ring iſt alſo nach 
allen Seiten um die auf der Scheibe feſt aufliegende Are beweglich.) Der 
Mittelpunkt dieſer Scheibe bezeichnet den Standort; nachdem nun dieſelbe 
mit ven Enden der Axe in die Richtung von Oft nach Weſt geſtellt iſt, ſtellt 
man den beweglichen Ring durch Umdrehung um die Are ſenkrecht auf die 
Scheibe und er veranſchaulicht die Scheitellinie. Ein anderer Kreisbogen, 
der im Süd- und Nordpunkt feſtgemacht iſt, veranſchaulicht ven Meridian, 
Als Scheitellinie kann auch eine Scheibe aus Pappe gebraucht werden, welche 
genau der Hälfte der hölzernen Scheibe gleich iſt, alſo einen Halbkreis bil- 
det, aber in keinem Theil mit der Scheibe verbunden iſt. Der Meridian 
aber iſt in 480 Grade eingetheilt, deren Bedeutung dem Schüler leicht er- 
klärt werden kann. Stellt man nun den beweglichen Ring zum 44. Grad 
des Meridians , ſo bezeichnet er den Weg, den die Sonne an beiden Tagen 
der Tag- und Nachtgleihe am Himmel beſchreibt. Vor und nach dieſen 
Tagen geht ſie nördlich oder ſüdlich vom Oft- und Weſtpunki auf und unter 
und beſchreibt einen ihrer Bahn am Tag der Tag- und Nachtgleiche gleich- 
laufenven Bogen. Die beiden äußerſten dieſer verſchiedenen Parallelbogen 
find wieder durch 2 Kreiſe veranſchauliht, welche nun eingefügt werden.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.