Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

III, Berichte, 387 
für einen beſtimmten Punkt der Erde nie auf- und welche nie untergehen. 
Die Erde aber iſt jebt im Himmelsraum zum Punkt zuſammengeſchwunden ; 
ſie wird jebt durch ven Mittelpunkt der Scheibe bezeichnet, die Scheibe ſelbſt 
aber bezeichnet ven Horizont ver Himmelskugel. 
Erſt nachdem ſo für alle Polhöhen der Sonnenſtand in verſchiedenen 
Jahreszeiten nachgewieſen und auch der Mondwechſel in Uebereinſtimmung 
vamit gebracht iſt, werden die verſchiedenen Himmelskörper, die man um 
vie Erde kreiſen ſiebt, aufgezählt und gezeigt, vaß die nahen , wie die ent- 
fernten , in 24 Stunven den Weg um die Erde beſchreiben , der Mond einen 
Weg, den man meſſen kann, weil der Erdhalbmeſſer groß genug iſt, um 
ven Ort, in dem der Mond von ſeinen beiden Endpunkten aus geſehen 
wird , zu ändern 3 der Mond iſt alſo etwa 60 Erdhalbmeſſer von uns ent- 
fernt; die Sonne aber ift ſo weit entfernt, daß der Erdhalbmeſſer, ja der 
Erddurchmeſſer keinen Unterſchied macht. (Vom Durchmeſſer der Erdbahn 
weiß der Schüler jebt noch nichts.) Denkt euch nun die Entfernung der 
Sonne von der Erde nur 4mal ſo groß, als die des Monds. -- Jhr wer- 
det ſpäter hören , wie groß man ihre Entfernung gefunden hat -- ſo müßte 
die Sonne einen 4mal ſo großen Weg jeden Tag beſchreiben , als der Mond 
und die Fixſterne einen noch weit größeren. | 
Darum iſt man auf den Gedanken gekommen , dieſe tägliche Umdrehung 
des Himmels müſſe von der Umdrehung der Erde umihre Axe kommen. 
Aus ven gleichen Gründen aber folgt, daß die jährliche Bewegung der - 
Sonne durch den Thierkreis von einer jährlichen Bewegung der Erde 
um die Sonne kommt. Wie dieſes nachgewieſen wird, braucht hier nicht 
weiter ausgeführt zu werden ; wer dem Bisherigen aufmerkſam gefolgt iſt, 
wird ohne Zweifel einſehen, wie ein Schüler, der dieſen Gang geführt 
worden iſt, auch ohne beſonderes Anſchauungsmittel zur richtigen Einſicht 
in die wahre Urſache des Wechſels der Jahreszeiten und aller andern in 
unſere Erſcheinung fallenden Bewegungen der Himmelskörper gebracht wer- 
den kann. *) Zeßt iſt namentlich auch klar, worauf die Erdkugel ruht. Sie 
wird gehalten von ihrer Schwere und der fie bewegenden Kraft, wie ein 
geworfener Ball. Hält der Lehrer je ein weiteres Anſchauungsmittel für 
dieſen Zwe für nöthig , ſo mag er ein ſolches brauchen, aber nur nicht 
bälder , als nach dem auf dem oben angegebenen Wege die. richtige Auf- 
faſſung aller Bewegungen nach ihrer Erſc<hetnung gewonnen iſt. Erſt 
vann iſt der Schüler fähig , ſeinen Standort in der Sonne zu nehmen, was 
dazu nöthig iſt, den Planetenlauf gehörig zu begreifen. Bei den An- 
ſ<auungsmitteln aber, vie man bis daher gebraucht hat, iſt immer zu ver- 
miſſen , daß das Verhältniß der Größe der Sonne zur Erde und ihre Ents- 
fernung von der Erde falſc< dargeſtellt werden muß. | 
*) Hier dürfte das Hipp'ſche Tellurium (vrgl. dieſe Ztſchr. 111. Jahrg. , S. 241) als 
zweites Anſchauungsmittel zu empfehlen ſein. Denn gerade die Wirkungen der Doppelbe- 
wegung ber Erde find es, die von dem Schüler ohne Anſchauungsmittel ſo ſchwer verſtan- 
den werden. Der Heragubßgeber.
	        

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