Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

Der methodiſche Unterricht in der Naturgeſchichte. 41 
niht ich wollte ſagen -- Auffinden der übereinſtimmenden 
und unterſcheidenden Merkmale naturhiſtoriſher Gegenſtände 
(Sondern und Vereinigen =- Analyſe und Syntheſe) die richtige 
Leitung des Schülers. Der Lehrer muß es nie nöthig haben, 
die freie Beweglichkeit des Schülers zu kürzen, ſo lange ſie im 
richtigen Fortgang erfahrungsmäßiger Beobachtung bleibt, ſich 
nicht in (objektiv-) unmögliche Regionen verfliegt. Der Fond 
ſeiner eigenen Kenntniß muß nicht zu ſchnell erſchöpft ſein, 
wenn der Schüler über richtig beobachtete Dinge Aufſchluß be- 
gehrt. Andererſeits darf ihn keine falſche Scham erfaſſen und 
ihn zu barſchem Abweiſen oder zu einer unwahren Auskunft 
verleiten , wenn ein Schüler ihn über Dinge fragt, die er ſelbſt 
noc< nicht beobachtet oder wenigſtens noc< nicht verſtanden hat, 
Ohne Nactheil für ſeine wiſſenſchaftlihe und pädagogiſche 
Autorität darf er, wenn er ſonſt etwas Gründliches verſteht, 
ohne Rüdhalt bekennen, daß ihm ſelbſt eine ſolche Einzelheit 
noch nicht klar geworden, und daß er dieſe Frage zur zukünftigen 
Beantwortung offen laſſen müſſe. Dies wird den Reſpekt in 
den Augen des Schülers gewiß mehr erhöhen, als wenn er mit 
terminologiſchen Phraſen oder mit Namen, die er in der Angſt 
erfunden, auf die Unbekanntſchaft des Schülers ſpekulirt, der 
Schüler aber, dem das Räthſel gewiß dadurc< no< dunkler ge- 
worden iſt, im günſtigſten Falle ſagen wird: Mein Lehrer mag 
ein recht gelehrter Mann ſeinz aber klar machen kann er mir's 
nicht. Und es iſt no< gut, wenn der Schüler mit ſeinem uns 
befangenen Bli aus einer vorliegenden Inkonſequenz in der 
Behandlung des Lehrſtoffs , wie ſie bei einer von dem Lehrer 
vielleiht unfreiwillig betretenen terra incognita ſi 9 leiht dar- 
bietet, nihts Schlimmeres herauswittert, 
Eine weitere Klippe, an der ſih manc<he Lehrer und S<ul- 
vorſteher ſtoßen, iſt das Vorurtheil, beim zoologiſchen Un- 
terricht kämen allerhand für die Jugend unſchi>liche oder ſogar 
überhaupt unanſtändige Dinge und Verrichtuugen des thieriſchen 
Lebens zur Sprache. Man könne dieſe Dinge doh nicht wohl 
mit völligem Stillſchweigen übergehen z; denn ſonſt wäre die Dar- 
ſtellung unvollkommen. (Gleichwohl thun dies vor lauter Be- 
denflichkeiten mange Pädagogen ohne alle Umſtände,) Wolle
	        

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