Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

Ueber mathematiſchen Unterricht. 75 
und zweitens gewöhnt man den Schüler an etwas Aeußerliches. 
Um das Denken immer im Fluſſe und die Form fern zu halten 
muß man häufig ohne die algebraiſche Bezeichnung rechnen, Mit 
jenen Regeln ſinkt das Auflöſen der Gleichungen nur zu leicht 
zur Taglöhnerarbeit herab, 
Die Theile ſind alſo: combinatoriſc<he Operationen , die 
einfachſten Sätze aus der Theorie der Zahlen, algebraiſche Auf- 
gaben und die Bruchrechnung, An die lettere ſchließen ſich die 
Decimalbrühe. Sie laſſen ſich zwar ſpäter leichter überſehen. 
Aber der übrige Unterricht ſetzt ſie nicht ſelten voraus. Daher 
hier. Ein rec<t nettes Beiſpiel der methodiſ<en Behandlung 
der Decimalbrühe gibt Löſ<hke in dem Scrifihen: „Das 
Weſen der Decimalbrüche.“ =- Zur Einübung der Brüche bieten 
die ſogenannten praktiſchen Aufgaben mehr als hinreichendes 
Material. Daß aber dabei nicht an Proportionen gedacht wird, 
. verſteht ſich von ſelbſt. *) 
b. Für die Geometrie bietet ſich hier die Formenlehre ganz 
ungeſumt an. Sie geht regelreht von der Anſchauung aus, 
indem ſie ſinnlich wahrnehmbare Gegenſtände wahrnimmt, geht 
aber von denſelben zum -Begriſffe zur eigentli< geometriſchen 
Vorſtellung über und ihre Hauptaufgabe beſteht darin, daß ſie 
die Phantaſie übe, damit der Schüler ſogleih alle Elemente 
und Elementenverbindungen der Objekte auffaſſen lerne. Denn 
nur wenn der Schüler ſo weit iſt, daß er die Elemente ſchnell 
durchläuft, ohne daß ſte wirklich gezeichnet ſind , können wir 
auf einen ſichern Erfolg des Unterrichts hoffen. An der Unbe- 
hülflichfeit in dem Umſpringen mit den geometriſchen Objekten 
ſcheitert der Unterricht in der Regel. An nichts anderem. Denn 
die Vergleihungen, Sc<lußreihen ſind ja und zumal anfangs 
ganz einfach. 
Man hat der Formenlehre häufig den Vorwurf der Seich- 
tigfeit gema<t. Geht man aber vom Körper aus und nimmt 
man eint gut Theil aus der Geometrie der Lage mit hinein, ſo 
ſteht man ſo feſt als auf dem Euflid. 
4. Wir kommen nun auf die Stufe, welche oben als die 
*) Vgl. Allg. Schulztg, 4847, Nr. 459.
	        

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